TAIPEI (Biermann) – Zu den vielen guten Gründen, bei Hämophilie besonders gut auf die eigene Gesundheit zu achten, kommt laut einer aktuellen Studie nun leider ein weiterer – eine erhöhte Gefahr für Krebserkrankungen.

Der Hintergrund: Die Hämostase (Blutstillung) steht mit der Entwicklung und Ausbreitung von Krebs in Verbindung. Unklar war bislang, ob bei Menschen mit Hämophilie die Häufigkeit von Krebserkrankungen erhöht ist; aus diesem Grund ging ein Forscherteam um Chia Jen Liu vom Taipei Veterans General Hospital, dieser Frage nach. Die Wissenschaftler griffen auf Daten aus der Forschungsdatenbank der nationalen Krankenversicherung in Taiwan zurück.  Dabei identifizierten sie 683 Patienten mit Hämophilie A und verglichen die Rate ihrer Krebserkrankungen mit jener von 6830 Patienten gleichen Alters und Geschlechts.

Dabei zeigte sich, dass die Krebshäufigkeit bei Menschen mit Hämophilie im Verlauf eines Zeitraums von 14 Jahren um 95% höher war (Inzidenz-Raten-Verhältnis 1,95) als bei den Personen ohne Hämophilie.

Wurden Lymphome und Krebserkrankungen der Leber (wegen der bei hämophilen Patienten häufigeren Hepatitis-C-Infektionen) ausgeklammert, lag die die Krebshäufigkeit bei Hämophilie leider immer noch höher als in der Vergleichsgruppe.

„Patienten mit Hämophilie A haben eine höhere Krebsrate als Patienten gleichen Alters und Geschlechts, insbesondere unter den Älteren“, bilanzieren die Wissenschaftler. Mit steigender Lebenserwartung bei Hämophilie sollten Ärzte dies im Hinterkopf haben.

Die gute Nachricht: Wer nicht raucht, gesund isst, auf sein Gewicht achtet, Alkohol höchstens in Maßen trinkt und seine Haut vor zu viel Sonne schützt, kann damit sein Krebsrisiko deutlich reduzieren.

Quelle: Haemophilia. 2014 May 16. dx.doi.org/10.1111/hae.12450 [Epub ahead of print]; Increased cancer risk in patients with haemophilia A: a nationwide population-based 14-year study in Taiwan.