MAINZ (BIERMANN) – Endoprothesen als Kniegelenkersatz für Patienten mit hämophiler Arthropathie steigern die Lebensqualität erheblich. Durch die Substitution von genügend Faktorpräparat kann das perioperative Blutungsrisiko adäquat minimiert werden. Zu diesen Ergebnissen kommt Dr. Björn Habermann von der Klinik für Orthopädie des Universitätsklinikums in Mainz in einer Studie mit 30 Patienten, die sich zwischen 1987 und 2005 einem Kniegelenksersatz unterzogen.

Zum Zeitpunkt der Operation lag das Alter der Patienten zwischen 27 und 66 Jahren (durchschnittlich 43,2 Jahre). Die Patienten waren zum Zeitpunkt der Operation somit relativ jung. Der durchschnittliche Blutverlust während der Operation lag bei 1264 ml ( ± 550 ml) und ist laut Angaben der Autoren unerwartet hoch. Dieser Blutverlust hatte jedoch keine weiteren Folgen für den Operationsverlauf. Die Komplikationsrate bei einer Operation war im Vergleich zur Population ohne Hämophilie nicht erhöht, weil vorher genügend Faktorpräparat verabreicht wurde.

Aufgrund der hämophilen Arthropathie sind die betroffenen Gelenke häufig fibrosiert oder deformiert. Diese Gewebeveränderungen führen zu einem schlechteren Bewegungsradius des künstlichen Kniegelenks nach der Operation als bei Patienten ohne Hämophilie. Trotzdem steigert das künstliche Kniegelenk erheblich die Lebensqualität, denn bei dieser Operation geht es oft um die Reduktion anhaltender Gelenkschmerzen.

Diese Schmerzen entstehen aufgrund von Hämophilie-bedingten Einblutungen in die Gelenke. Aus dem Blut lagert sich dann Eisen in den Gelenken ab, welches zu Entzündungsreaktionen in der Synovia und in der Knorpelmatrix führt.

Das verursacht Schmerzen beim Gehen, was wiederum Fehlbelastungen und Muskelverkürzungen zur Folge haben kann. Wenn die belastungsabhängigen Schmerzen nicht mehr durch Orthesen oder intraartikuläre Kortison-Injektionen gelindert werden können, kommt eine Kniegelenksoperation in Frage.

Quelle: Hämostaseologie 2010; 30 (Suppl. 1): S. 104-106.