Zum Ausgleich einer Behinderung muss die gesetzliche Krankenkasse entsprechende Hilfsmittel gewähren – unabhängig davon, ob sie im Hilfsmittelverzeichnis eingetragen sind. Das geht aus einem jetzt veröffentlichten Urteil des Hessischen Landessozialgerichts hervor.

Mit ihrer Entscheidung gaben die Richter einer zwölf Jahre alten Klägerin Recht, die aufgrund einer spastischen Lähmung nicht eigenständig gehen kann. Um dem Mädchen Stehversuche und erste Schritte zu ermöglichen, hatten ihm die Ärzte sogenannte dynamische Soft-Orthesen verordnet.

Die Krankenkasse hatte die therapeutische Wirksamkeit jedoch bezweifelt und die Übernahme der Kosten in Höhe von rund 1.100 Euro abgelehnt. Stattdessen bot sie der Klägerin starre Orthesen aus Carbonfasermaterial an.

Die Richter wiesen jedoch darauf hin, dass ein therapeutischer Nutzen – über den bloßen Ausgleich der Behinderung hinaus – nicht nachgewiesen werden muss. Die Erfahrung der Ärzte reiche aus. Die Soft-Orthesen ermöglichten dem Mädchen mehr Bewegungsfreiheit und seien leichter anzuziehen.

Für die Kostenübernahme durch die Kasse könne nicht entscheidend sein, ob die betreffende Orthese im Hilfsmittelverzeichnis eingetragen ist oder nicht, betonten die Richter.

Quelle: Hessisches Landessozialgericht, Az.: L 8 KR 69/07

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