DURHAM (BIERMANN) – Insbesondere junge Mädchen müssen lernen, mit der doppelten Belastung von Blutungsstörungen und Schwangerschaft umzugehen. Einer aktuellen amerikanischen Studie zufolge, ist das Risiko für Komplikationen und die Schwangerschaftsabbruchsraten bei ihnen sehr hoch.

Dr. Andra H. James von der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am Duke University Medical Center in Durham, North Carolina, veröffentlichte dazu einen Übersichtsartikel in der aktuellen Ausgabe des Fachblatts "Journal of Pediatric and Adolescent Gynecology".

Im Allgemeinen brechen Jugendliche ihre Schwangerschaft eher ab als erwachsene Frauen. Zudem haben sie ein größeres Risiko für Frühgeburten. Darüber hinaus leiden sie – genauso wie erwachsene Frauen mit Blutungsstörungen – häufiger an gewissen Komplikationen, insbesondere Blutungskomplikationen nach der Geburt.

Da bis zu zwei Drittel der Schwangerschaften im Jugendalter ungeplant sind, unterstreicht James die Notwendigkeit einer umfassenden Sexualaufklärung bei Mädchen, die unter Blutungsstörungen leiden oder Trägerinnen von Hämophilie sind. Diese könne im Rahmen der Routinebesuche bei Kinderärzten, Hämatologen oder Gynäkologen erfolgen.

Wenn bei Mädchen die Gefahr besteht, dass sie Trägerinnen von Hämophilie A oder B, schwerer Von-Willebrand-Erkrankung und anderen schweren Blutungsstörungen sind, sollte dies genau geklärt werden, bevor sie schwanger werden. Während der Schwangerschaft sollte ein Plan erstellt werden, um sicherzugehen, dass Mutter und Kind die Geburt gesund überstehen, betont die Expertin.

Haben junge Frauen ein Risiko für schwere Blutungen oder besteht die Gefahr, dass ihr Kind stark betroffen ist, sollten sie zur Schwangerschaftsvorsorge und Entbindung an ein Zentrum überwiesen werden, an dem es nicht nur Experten für Risikoschwangerschaften und -geburten gibt, sondern auch ein Hämophilie-Zentrum oder einen Hämatologen, der auf Hämostase spezialisiert ist.

Vor der Entbindung oder jeglichen invasiven Maßnahmen sollten junge Frauen mit einem Risiko für schwere Blutungen eine Prophylaxe erhalten. "Da die Gabe von Desmopressin zu einem zu niedrigen Natriumspiegel im Blut führen kann, sollten – wann immer verfügbar – virusinaktivierte oder rekombinante Gerinnungsfaktor-Produkte als Ersatz eingesetzt werden, statt frischem gefrorenem Plasma oder Kryopräzipitat", rät James.

Quelle: Journal of Pediatric and Adolescent Gynecology doi:10.1016/j.jpag.2010.08.004