GLASGOW (BIERMANN) – Mit der Einführung sicherer Faktorpräparate bleibt eigentlich nur noch ein Problem bei der Behandlung der Hämophilie A: die mögliche Bildung von Hemmkörpern gegen den Faktor VIII.

Peter MacLean und seine Kollegen vom Yorkhill Kinderkrankenhaus in Glasgow haben jetzt herausgefunden, dass hochdosierte Verabreichungen von Faktorpräparaten bei spontan auftretenden Blutungen dazu führen können, Inhibitoren dagegen zu entwickeln.

Diese Fallstudie befasste sich rückwirkend mit den genetischen Risikofaktoren und den Unterschieden in den Behandlungsmustern bei Patienten mit schwerer Hämophilie, die Inhibitoren gegen den Faktor VIII entwickelten, im Vergleich zu einer Kontrollgruppe, die diese Tendenz nicht zeigte.

In 13 verschiedenen Hämophilie-Zentren in England bildeten 78 Patienten mit schwerer Hämophilie Hemmkörper gegen den Faktor VIII. Diese Daten wurden in einem Zeitraum von 25 Jahren (1982-2007) gesammelt. Für jeden Patienten, der Hemmkörper bildete, wurde eine entsprechend gleichaltrige Kontrollperson herangezogen. Die Daten für das potentiell genetisch bedingte Risiko und das therapiebedingte Risiko wurden bei allen Beteiligten untersucht.

Die genetischen Risikofaktoren waren große Deletionen (schwere Defekte) im Faktor-VIII-Gen und eine nicht-kaukasische Ethnizität. Diese beiden Risikofaktoren allein erhöhten die Bildung von Inhibitoren jeweils um das Fünffache.

Die therapiebedingten Risikofaktoren wurden innerhalb der ersten 50 Behandlungstage festgelegt. Bei den behandlungsbedingten Variabeln konnte gezeigt werden, dass eine hohe Behandlungsintensität das Inhibitor-Risiko um das 2,5-fache erhöhte. Dieses war der Fall bei hoch dosierten und häufigen Behandlungen bei spontan auftretenden Blutungen. Dieses Ergebnis war unabhängig von dem Timing der Behandlungsintensität.

Phasen mit erhöhtem Verbrauch von Faktorpräparat im Zusammenhang mit einem Port-a-Cath-Zugang (implantierbares Kathetersystem) brachten kein erhöhtes Risiko für die Bildung von Inhibitoren mit sich.

Weiterhin konnte kein Zusammenhang mit der Bildung von Hemmkörpern zwischen dem Alter des Patienten bei der allerersten Verabreichung, zwischen den unterschiedlichen Präparat-Herstellern und der normalen Dosis an Faktorpräparaten gefunden werden.

Diese Studie ist ein weiterer Beleg dafür, dass frühe und hochdosierte Behandlungen bei spontan auftretenden Blutungen ein erhöhtes Risiko für Patienten mit schwerer Hämophilie birgt, Hemmkörper gegen Faktor VIII zu entwickeln.

Quelle: Haemophilia, 2011 März, 17(2): 282-287 doi: 10.1111/j.1365-2516.2010.02422