ISTANBUL (MedCon) – Nimmt die Erkrankung infolge einer Infektion mit dem Hepatitis C-Virus (HCV) bei Patienten mit Blutungsstörungen einen anderen Verlauf als den natürlichen?

Diese Frage stellen sich T. Yee vom Royal Hospital London und Kollegen, nachdem sie in einer Untersuchung feststellten, dass die Hälfte einer Gruppe von Patienten mit angeborener Blutungsstörung und lang dauernder aktiver HCV-Infektion (30 Jahre) noch keine oder nur eine minimale Fibrose der Leber aufweist.

Ihre Befunde stellten die Mediziner kürzlich beim 28. internationalen Kongress der World Federation of Hemophilia in Istanbul vor.

Ausgangspunkt ihrer Untersuchung war, dass es bei HCV-infizierten Patienten wichtig für Behandlung und Nachbeobachtung ist, das Ausmaß des Leberschadens zu beurteilen. Normalerweise greifen Mediziner hierzu auf eine Leberbiopsie zurück, was aber bei Patienten mit Blutungsstörungen aufgrund des erhöhten Blutungsrisikos gefährlich sein kann.

Eine Alternative bietet das Fibroscan-Verfahren (auch Elastometrie genannt), bei dem die Messung von außen über einen Schallkopf erfolgt. Der Kopf enthält einen Vibrator, der eine Welle aussendet. Die Geschwindigkeit, mit der sich diese Welle ausbreitet, wird von einer integrierten Ultraschallsonde gemessen: Ist das Gewebe nicht elastisch, laufen die niederfrequenten Wellen schnell durch und verformen dabei das Gewebe – was sich per Ultraschall erkennen lässt.

Die meisten der untersuchten 45 HCV-positiven Patienten litten unter Hämophilie A (64 Prozent), nur wenige waren mit HIV ko-infiziert (13 Prozent) oder bislang ohne Therapie (13 Prozent). Die Steifheit des Lebergewebes beurteilte das Team um Yee in 47 Prozent der Fälle als gering, in 24 Prozent als mittel und in 29 Prozent als hoch.

Somit konnten Patienten mit potenzieller schwerer Zirrhose/Fibrose (29 Prozent) schneller identifiziert und einer weitergehenden Diagnostik zugeleitet werden.

Quelle: Haemophilia 2008; 14 (Suppl.2), 1-120: 41