TRAVERSE CITY (Biermann) – Wie stark werden Menschen mit Blutungsstörungen von Schmerzen geplagt? Dieser Frage war die National Pain Study (NPS) gewidmet, die in den USA über 28 Monate die Schmerzerfahrungen Betroffener erfasste. Für eine Studie, die am 16. Dezember online in der Fachzeitschrift Haemophilia erschienen ist, wurden die Antworten der 764 Patienten mit Hämophilie A oder B evaluiert.

Dabei antworteten 39 Prozent der Teilnehmer, ihre Schmerzen würden nicht gut behandelt. Der durchschnittliche Punktwert für den akuten Schmerz, der mit einer Blutung assoziiert war, betrug 5,97 von maximal 10 Punkten. Der durchschnittliche Wert für anhaltende Schmerzen lag bei 4,22/10.

Am häufigsten beschrieben die befragten Patienten ihre akuten Schmerzen mit den Worten klopfend, reißend, schneidend, druckschmerzempfindlich und elend. Bei den anhaltenden Schmerzen wählten sie am häufigsten die Begriffe reißend, dumpf, anstrengend, schneidend und druckschmerzempfindlich.

Als Strategie gegen akute und persistierende Schmerzen wurden am häufigsten Faktor-Präparat, Ruhe, Eis, Hochlegen und Kompression angegeben. Doch den Antworten zufolge griffen die Betroffenen auch schon mal zu Alkohol und illegalen Drogen, um ihre akuten wie auch die anhaltenden Schmerzen zu betäuben.

Bei der Behandlung sowohl der akuten als auch der anhaltenden Schmerzen kamen vor allem kurzwirksame Opioide und Acetaminophen zum Einsatz. Wie die Befragung weiter ergab, lag das Schmerzmanagement der hämophilen Patienten am häufigsten in den Händen von Hämatologen und Hausärzten. Unter den zu wenig behandelten Schmerzen litt auch die Lebensqualität (QOL): Die QOL-Werte waren in den Bereichen Schmerz, Energie/Fatigue und physische Probleme am niedrigsten.

In Kombination mit den 39 Prozent der Befragten, die sich über eine mangelhafte Behandlung ihrer Schmerzen beklagten, untermauere die Literatur über die weitverbreitete Unterbehandlung von Schmerzen in der allgemeinen Schmerzpopulation die zu seltene Erkennung und Unterbehandlung von Schmerzen bei hämophilen Patienten, bilanzieren die Autoren um Michelle L. Witkop vom Munson Medical Center in Traverse City.

Auf Hämophilie spezialisierte Mediziner sollten sich in Schmerzmanagement-Techniken weiterbilden, um diese Patientengruppe besser zu versorgen, empfehlen die Wissenschaftler. Es seien weitere Forschungsarbeiten nötig, um spezifische Leitlinien zum Schmerzmanagement bei Blutungsstörungen zu entwickeln, inklusive multimodaler ganzheitlicher Therapiepläne.

Quelle: Haemophilia 2011, article first published online: 16 DEC, DOI: 10.1111/j.1365-2516.2011.02709.x