SAO PAULO (BIERMANN) – Hämophilie B ist eine genetisch bedingte Krankheit des Blutgerinnungssystems. Weltweit davon betroffen ist etwa einer von 30.000 Männern.
Rekombinanter menschlicher Faktor IX (rhFIX, engl. für recombinant human factor IX) wird bisher bei der Behandlung von Hämophilie B eingesetzt. Allerdings ist die Gewinnung des Faktorpräparates bisher relativ ineffizient. Aus diesem Grund sind die Herstellungskosten verhältnismäßig hoch.

Um den Herstellungsprozess zu optimieren, entwickelten brasilianischen Forscher eine Alternative bei der Gewinnung von rhFIX. Das Team um Frau Dr. Andrielle de Castilho Fernandes benutzte retrovirale Systeme, um zwei neue rekombinante Zelllinien bei der Produktion von rhFIX im Reagenzglas zu beobachten.

Zuerst untersuchte Castilho Fernandes eine Zelllinie aus einer menschlichen embryonalen Niere, das so genannte 293-Zellen-System (abgekürzt: 293). Weiterhin testeten die Wissenschaftler eine Zelllinie aus der Leber, mit dem Namen HepG2. Denn Faktor IX wird bei gesunden Menschen hauptsächlich in der Leber produziert.

Die Auswertung der Produktion von rhFIX in den zwei verschiedenen Zelllinien hat gezeigt, dass das HepG2 mit einem Anteil von 46 Prozent produktiver ist als 293 mit einem Anteil von 21 Prozent. Außerdem zeigte die Messung der partiellen Thromboplastinzeit (PTT, engl. für Partial Thromboplastin Time), dass rhFIX aus der Zelllinie HepG2 um das 1,5-Fache biologisch aktiver ist, als 293 (p = 0.016).

Weiterhin war die Isolierung vom rhFIX aus den HepG2 Zellen durch Chromatographie unproblematisch. Es zeigte sich, dass rhFIX aus HepG2 ein ähnliches pharmakokinetisches Profil aufweißt wie isoliertes, natürliches FIX aus gesundem menschlichem Plasma.

Somit könnte die Zelllinie HepG2 ein effizientes Produktionssystem für rhFIX im Reagenzglas (in vitro) sein. Dadurch eröffnet es die Möglichkeit, die Produktionskosten für rhFIX erheblich zu senken. In Zukunft könnte also die Behandlung von Hämophilie B auch in Entwicklungsländern erschwinglicher werden.

Quelle: Biotechnology and Applied Biochemistry, Juli 2011;58(4):243-249.