OXFORD (BIERMANN) – Die Versorgung von Hämophilie-A-Patienten erfolgt im internationalen Vergleich sehr unterschiedlich. Eine entsprechende Gegenüberstellung zeigt eklatante Unterschiede von der ersten Diagnose des Krankheitsbildes bis zur Versorgung mit Medikamenten. Was leisten verschiedene Länder für ihre Patienten? Dieser Frage ist Dr. Paul Giangrande vom Churchill Hospital in Oxford nachgegangen und hat die Daten von insgesamt 465 Hämophilie-A-Patienten aus Argentinien (50 Patienten), Russland (140 Patienten), China (159 Patienten) sowie Nordamerika (116 Patienten) miteinander verglichen.

Die Menge an verabreichten Medikamenten schwankt sehr stark

Allein der Zeitpunkt für die Diagnose "Hämophilie A" war bereits sehr unterschiedlich. In Nordamerika erfolgte die Feststellung der Erkrankung im Median direkt nach der Geburt, in Argentinien nach acht Monaten, in Russland nach einem Jahr und in China erst innerhalb der ersten sechs Lebensjahre. Des weiteren schwankt die Menge an verabreichten Medikamenten sehr stark. So wird die prophylaktische Injektion von Gerinnungsfaktoren in den USA (29,4 IU/kg), Russland (27,6 IU/kg) und Argentinien (22,9 IU/kg) etwa gleich oft vollzogen, währenddessen in China etwa ein Drittel der Menge mit 8,0 IU/kg verabreicht wird.

Bei akuten Blutungen wird der Blutgerinnungsfaktor FVIII häufiger in Russland (4294,1 IU/kg) und Nordamerika (3728,7 IU/kg) verabreicht als bei den Patienten in Argentinien (1428,6 IU/kg) und China (1172,7 IU/kg). Des weiteren gehen in China am wenigsten Patienten zu einem Spezialisten für Hämophilie, und in Russland haben die wenigsten Patienten die Möglichkeit, ein Hämophilie-Behandlungszentrum aufzusuchen.

Quelle: Haemophilia (2010), 16 (Suppl. 4), 1-158