Europäische Hämophilie-Patienten halten die ihnen verordnete Therapie offenbar besser ein als Patienten mit anderen chronischen Erkrankungen, berichtet ein Team von Forschern aus der Schweiz, Österreich, den Niederlanden und Großbritannien über seine Ergebnisse an einer ausgewählten Gruppe.

Die Wissenschaftler um Philippe De Moerloose vom Universitätsklinikum Genf gingen der Frage nach der Therapietreue hämophilier Patienten nach, da sich bislang nur sehr wenige Studien mit diesem Punkt beschäftigt haben.

Dazu führten Mitarbeiter eines internationalen Forschungsunternehmens Einzelinterviews mit jeweils 30 Patienten in Frankreich, Deutschland, Italien, Spanien, Schweden und Großbritannien durch, insgesamt also 180 Patienten. Ferner befragten sie 28 auf Hämophilie spezialisierte Ärzte und Krankenschwestern.

Mit 80 bis 87 Prozent sei die Therapietreue insgesamt hoch gewesen, berichtet das Team um De Moerloose. Positiv wirkten sich auf die Therapietreue offenbar ein jüngeres Alter, die prophylaktische Behandlung, die an einem Hämophilie-Zentrum verbrachte Zeit und die Qualität der Beziehung zum Hämatologen sowie der Krankenschwester aus, beobachteten die Forscher.

Als vier führende Gründe, um nicht die verschriebene Menge an Gerinnungsfaktor einzusetzen oder das Anwendungsintervall zu überspringen, nannten die Befragten:

– Rückgang, Fluktuation oder Verschwinden der Symptome

– Vergesslichkeit

– Mangel an Zeit für die Behandlung

– Bequemlichkeit

"Diese Gründe unterschieden sich nach Land und Alter des Patienten?, schreiben die Autoren der Studie. Die wichtigsten Vorschläge, die die Patienten zur Verbesserung der Therapietreue machten, bezogen sich auf die Hämophilie-Zentren, die Umgebung und die Faktorkonzentrate.

Die Patienten hielten es zudem für wahrscheinlich, dass das Internet und elektronische Patiententagebücher die Therapietreue verbessern, so der Bericht in der Online-Ausgabe der Fachzeitschrift Haemophilia.

"Es ist jedoch wichtig, sich angesichts der gravierenden Folgen der Möglichkeit einer mangelnden Therapietreue bewusst zu sein, vor allem, wenn man eine anders ausgewählte Gruppe von Patienten betrachtet", schlussfolgern die Wissenschaftler.

Quelle: Haemophilia, online erschienen am 4. August 2008

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