WUPPERTAL (Biermann) – Hämophile Menschen bewerten ihre körperliche Leistungsfähigkeit negativer als Gesunde. Doch ihre subjektive Wahrnehmung stimmt nicht immer gut mit den objektiv gemessenen Werten überein, wie eine aktuelle Untersuchung zeigt.

Wiederkehrende Blutungen an Muskeln und Gelenken führen bei Hämophilen zu Einschränkungen des Bewegungsapparates und damit der körperlichen Leistungsfähigkeit. Bei der Beurteilung des Gesundheitszustandes ist es aber nicht nur wichtig, wie dieser objektiv betrachtet ist, sondern auch, wie der Patient selbst ihn wahrnimmt.

In dieser Studie versuchten Forscher um Diplom-Sportwissenschaftlerin Dörte Czepa von der Bergischen Universität Wuppertal die subjektive körperliche Leistungsfähigkeit hämophiler Patienten mit gesunden Kontrollen zu vergleichen und ihre Ergebnisse in einen Zusammenhang mit objektiven Daten zu setzen.

Die subjektive körperliche Leistungsfähigkeit wurde anhand des neuen Fragebogens HEP-Test-Q beurteilt: Er besteht aus 25 Punkten, die auf die vier Subskalen "Mobilität", "Kraft & Koordination", "Ausdauer" und "Körperwahrnehmung" aufgeteilt sind. Die Wissenschaftler verglichen die Werte der HEP-Test-Q-Subskalen mit objektiven Daten zum Bewegungsumfang, Stehen auf einem Bein und 12-Minuten-Gehtest.

In ihre Untersuchung nahmen sie 48 Patienten (Durchschnittsalter 44 Jahre) auf, von denen 43 an schwerer und drei an mittelschwerer Hämophilie A litten sowie zwei mit schwerer Hämophilie B. Hinzu kamen 43 Kontrollpersonen ohne Hämophilie (Durchschnittsalter 42 Jahre).

Die hämophilen Studienteilnehmer zeigten auf allen HEP-Test-Q-Subskalen und beim Gesamtpunktwert (52 ± 20) eine beeinträchtigte subjektive körperliche Leistungsfähigkeit, verglichen mit den Kontrollpersonen (77 ± 10). Dabei passte die eigene Einschätzung allerdings nicht immer gut mit den objektiv gemessenen Daten zusammen.

Daher sollten objektive Untersuchungen der körperlichen Leistungsfähigkeit um die subjektive Wahrnehmung ergänzt werden, raten die Forscher.

Quelle: Haemophilia 2012;18(1):80-5. doi: 10.1111/j.1365-2516.2011.02607.x