Jungs mit Hämophilie scheinen ein erhöhtes Risiko zu haben, hyperaktiv und impulsiv zu sein, wobei dies allerdings keine offenkundigen schulischen Defizite nach sich zieht. Dies berichten US-amerikanische Wissenschaftler in der Maiausgabe der Zeitschrift Haemophilia.

Um herauszufinden, ob Jungen mit Hämophilie unaufmerksamer, hyperaktiver und impulsiver sind als ihre Altersgenossen ohne die Erkrankung, hatten M. L. S. Spencer von der Arizona State University und Kollegen die Eltern und Lehrer der sechs- bis 14-jährigen Studienteilnehmer nach ihrer Einschätzung befragt.

Außerdem mussten die Jungs Tests absolvieren, die Lese- und Rechenfähigkeiten, Psychopathologie und Bildungsstand erfassten.

Dabei fanden die Forscher heraus, dass die Lehrer die Hyperaktivität-Impulsivität und Unaufmerksamkeit der 19 hämophilen Jungen höher einschätzten als die der anderen Kindern. In den Augen der Eltern war lediglich die Hyperaktivität-Impulsivität erhöht. Bei einer Intelligenzaufgabe unterliefen den Jungen aus der Hämophilie-Gruppe deutlich mehr Impulsivitätsfehler.

Kleine, aber statistisch nicht bedeutsame Unterschiede beobachteten die Wissenschaftler bei den Lese- und Rechenfähigkeiten. So nahmen die Jungs aus der Hämophilie-Gruppe auch häufiger am Förderunterricht teil.

Im Vergleich zur nationalen Norm fanden die Forscher bei den Jungen mit Hämophilie grenzwertige Punktwerte für die ADHS-bezogenen Maße der Hyperaktivität-Impulsivität und der psychometrisch gemessenen Impulsivität.

"Auch wenn diese Studie sich nicht mit formalen Diagnosen beschäftigte, so fand sie bei Jungs mit Hämophilie doch ein höheres Risiko für Probleme des ADHS-Spektrums, vor allem aber Hyperaktivität-Impulsivität, sowie die Teilnahme am Förderunterricht – aber nicht für offenkundige schulische Defizite", schlussfolgern die Wissenschaftler.

Quelle: Haemophilia 2009; 15 (3): 701-6