Sparen beim Weihnachtseinkauf kann gefährlich sein

Augen auf beim Spielzeugkauf – wer seine Kinder sicher vor Giften und Spielfiguren wissen will, die sich nach einem Nachmittag in Hundert Teile zerlegen, muss mittlerweile kriminalistische Qualitäten an den Tag legen. Prüfinstitute und Gütesiegel helfen bei der Auswahl.

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Sieht harmlos aus, muss es aber nicht sein: Spielzeug kann Schadstoffe enthalten

Spielzeugkauf ist mittlerweile zu einer gefährlichen Sache geworden. Blei im Lack, lose Teile, die von Kindern verschluckt werden könnten, und blanke Stromkabel sind nur einige der Mängel, die in der letzten Zeit bei Spielzeugen gefunden wurden. China bekam schnell die Rolle des Buhmanns zugewiesen, nur teilweise zu Recht. Sicher, im fernen Osten sind Qualitätssicherung und Produktqualität oft nur zwei Hindernisse auf dem Weg zum lukrativen Europamarkt. Und China taucht in der Tat unangenehm oft in den Statistiken der "bösen" Hersteller auf. So listet die EU auf einer Internetseite jede Woche gefährliche Importe auf. In der letzten Woche waren es 26, 20 davon aus China. Auch auf das Jahr gesehen hat China keine gute Bilanz. Von den 900 Risikoprodukten, die die EU 2006 herausfilterte kam etwa die Hälfte aus China. Nachdem die Volksrepublik einen Anteil von 61,7 Prozent an den Spielzeugimporten hat, kann man sich leicht ausrechnen, wieviel Kinderzimmerausstattung aus dem Verkehr gezogen wurde. Aufsehen erregten natürlich vor allem die großen Rückrufaktionen von Mattel und Starbucks im Herbst. Mattel musste 21 Millionen Spielzeuge wegen Blei in den Lacken aus den Regalen räumen, die Kaffeekette erwischte es bei den Trinkbechern: 250.000 wurden umgetauscht, weil sie zerbrechen und Splitter davon verschluckt werden konnten. Die Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Anfang November entzog die chinesische Regierung etwa 700 Herstellern die Exporterlaubnis wegen Qualitätsmängeln. Und die EU will ebenfalls handeln, auch wenn die geplanten Maßnahmen eigentlich selbstverständlich sein sollten. So forderte das Europaparlament Ende September ein Verbot von giftigen und krebserregenden Chemikalien in Spielzeug. Und die EU-Kommission will bis Jahresende die 19 Jahre alte Richtlinie für Spielzeug komplett überarbeiten. Der von der EU- Verbraucherkommissarin Meglena Kuneva geforderte Spielzeug-TÜV konnte sich allerdings nicht durchsetzen.

Ein Siegel spricht für sich

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Alle Jahre wieder: die Eisenbahn ist ein beliebtes Geschenk zu Weihnachten

Stichwort TÜV – es ist ja nicht so, als ob Deutschland ein unregulierter Raum wäre, wenn es um die Sicherheit von Spielzeug geht. Gesetzliche Vorgaben gibt es zu Hauf: Spielzeug darf keine scharfen Kanten und verschluckbaren Teile haben, für elektrisches Spielzeug kommt nur ungefährliche Niederspannung in Frage und zahlreiche Materialien und Inhaltsstoffe sind verboten. Aber schon für die Einhaltung dieser Regeln bedarf es Kontrollen. Und der TÜV ist für eines der renommiertesten, das 1977 eingeführte GS-Siegel für geprüfte Sicherheit, zuständig. Ein GS-Siegel können Hersteller freiwillig beantragen, allerdings gilt das begehrte Zeichen als zwingend notwendige Eintrittskarte für die lukrativen EU-Märkte. Klar also, dass auch asiatische Hersteller immer häufiger beim TÜV anklopfen. Vor allem, wenn sie mit einer der großen Handelsketten ins Geschäft kommen wollen. Der TÜV testet dann ein Produktionsmuster nach sehr strengen Regeln und überwacht auch den Produktionsprozess. Die Tests müssen regelmäßig wiederholt werden, andernfalls wird das Siegel aberkannt.

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Es ist ja für eine guten Zweck: Um das GS-Siegel zu erhalten, machen Spielzeuge einiges durch

Spielzeug, das in den Labors des TÜV durch die Mangel gedreht wird, ist nicht zu beneiden. Der goldige Plüschteddy wird mit Gewichten beschwert, gerupft, geschlagen und angezündet. Fell und andere Textilien müssen einen Speicheltest über sich ergehen lassen. Wenn sich Teile beim simulierten Kleinkind-Zerren vom Spielzeug lösen, dürfen sie nicht so groß sein, dass sie verschluckt werden könnten. Schwarze Schafe unter den Herstellern scheuen Aufwand und Ergebnis der Kontrolle und fälschen das Siegel manchmal. Für den Verbraucher ist das nicht leicht zu erkennen. Misstrauisch sollte man werden, wenn das Prüfinstitut nicht abgedruckt ist und deutschsprachige Anweisungen auf der Verpackung fehlen.

Um das Vertrauen in die Prüfsiegel des TÜV zu stärken, demonstrieren Ingenieure des TÜV in der Vorweihnachtszeit 2007 bei der Warenhauskette Kaufhof live in den Filialen was in den Labors mit Spielzeug passiert. Verständlich, dass die Testinstitute an der Seriosität ihrer Prüfzeichen interessiert sind. Sie betreiben schließlich enormen Aufwand bei ihren Prüfabläufen. Ironischerweise profitieren sie enorm von Chinas ständig wachsender Produktionskapazität. Zertifizierungsinstitute wie TÜV oder Dekra sind längst auch in den Produktionsländern aktiv. Jeder achte Mitarbeiter des TÜV Rheinland ist in China beschäftigt, das Unternehmen unterhält dort 24 Labore.

Weitere Prüfzeichen

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TÜV vor Ort: Mittlerweile unterhält der TÜV Rheinland 24 Labors in China

Neben GS finden sich weitere Kürzel und Symbole auf den Typenschildern und Etiketten. Relativ wertlos ist das CE Zeichen. Es ist eine reine Absichtserklärung, dass bestimmte europäische und deutsche Richtlinien bei der Herstellung eingehalten werden. Allerdings überprüft niemand die korrekte Umsetzung, jeder Hersteller kann das CE-Zeichen in Eigenregie vergeben. Speziell für Spielwaren wurde das TÜV-Proof Zeichen entwickelt. Es verlangt noch strengere Standards als das GS-Zeichen. Daneben gibt es eine Reihe von spezialisierten Prüfzeichen wie das VDE-Dreieck. Es stellt die elektrische Unbedenklichkeit von Produkten – nicht nur Spielzeug – sicher, gibt aber keine Auskunft über Schadstoffe oder korrekte Konstruktion. Ähnlich das Spezialsiegel ÖkoTex Standard 100. Es steht für Textilqualität, lässt aber andere Faktoren außen vor. "Spiel gut" und "Fair-spielt gut" konzentrieren sich hingegen auf Spielzeug. Das erste impliziert pädagogisch wertvolle Produkte und gibt auch Auskunft über deren Umweltverträglichkeit. Das "Fair-spielt gut" Zeichen bekommen nur Produkte, die durch menschenwürdige und umweltverträgliche Produktionsabläufe entstehen. Der Verein "Spielt-gut" ist schon seit den 50er Jahren aktiv. Die Mitglieder arbeiten ehrenamtlich und unabhängig von der Spielwarenindustrie. Auf einer CD-ROM von "spiel-gut" sind 2500 Spielsachen aufgelistet, die alle für gut befunden wurden und nach wie vor erhältlich sind.

Prüfsiegel sind wichtig und geben heute notwendige Leitlinien beim Kauf von Spielwaren vor. Doch auch ohne Siegel können Eltern beim Kauf auf wichtige Signale achten. Spielzeuge sollten frei von Weichmachern sein und deshalb möglichst nicht aus PVC hergestellt sein. Bessere Materialien sind Polypropylen und Polyethylen. Holzspielzeug ist am besten unlackiert oder gewachst, im Idealfall aus Vollholz hergestellt. Pressspan oder Sperrholz bergen die Gefahr, das gesundheitsschädliche Binde- und Klebemittel genutzt wurden. Spielzeug, das unangenehm oder stechend riecht, sollte ebenfalls im Regal bleiben. Experten raten ohnehin zu mehr Zurückhaltung im Kaufhaus. Kinder haben heute generell zu viel Spielzeug, schnell und billig kaufen ist deshalb praktisch immer eine schlechte Idee. Und selbst wenn die richtigen Prüfsiegel auf dem Etikett prangen: über den Spielwert und darüber ob es dem Kind Spaß macht, sagen sie nichts aus. Wichtiger ist, dass sie die Kreativität und Eigeninitiative anregen. Und dafür gibt es noch kein Gütesiegel.