GRONINGEN (BIERMANN) – Menschen mit Hämophilie sollten genauso wie ihre nicht hämophilen Altersgenossen die Finger von Zigaretten lassen und auf ihren Blutdruck achten. Das zeigt eine niederländische Studie, die die Raten von Herz-Kreislauf-Erkrankungen bei hämophilen Patienten untersucht hat und kürzlich beim 29. Hämophilie-Weltkongress in Buenos Aires vorgestellt wurde.

M. Zwiers und Kollegen vom Universitair Medisch Centrum in Groningen nahmen sich der Frage an, da der Verdacht nahe liegt, dass hämophile Menschen bei der steigenden Lebenserwartungen mit den gleichen Problemen zu kämpfen haben wie die übrige Bevölkerung.

Die Forscher verglichen die Rate kardiovaskulärer Ereignisse und der üblichen Risikofaktoren in einer Gruppe hämophiler Patienten ab 35 Jahren mit jenen der Allgemeinbevölkerung. Dabei zeigte sich, dass sechs von 106 Patienten insgesamt acht Ereignisse hatten (fünf Herzinfarkte, zwei Beseitigungen von Engstellen an der Halsschlagader und eine Diagnose einer peripheren Arterienerkrankung).

"Die Patienten mit Ereignissen waren älter, rauchten öfter und hatten häufiger Bluthochdruck", berichten die Wissenschaftler. Auch nahmen in der Gruppe mit den Herz-Gefäß-Problemen mehr Patienten Statine (Medikamente zur Senkung von Blutfetten) ein. In beiden Gruppen hatten rund 50 Prozent zu viel auf den Rippen.

"Das absolute Risiko für arterielle Ereignisse betrug 0,32 Prozent", schreibt das Team um Zwiers. Dies sei dem Risiko in der normalen niederländischen Bevölkerung von 0,37 Prozent ähnlich, wie auch den 0,26 Prozent aus einer sehr langen amerikanischen Studie an Ärzten (Physicians' Health Study).

Für hämophile Patienten könnte ein gesunder Lebensstil besonders wichtig sein, um Herz-Kreislauf-Erkrankungen zu vermeiden, da für sie eine gegen Blutplättchen gerichtete Therapie – wie sie bei nicht hämophilen Menschen eingesetzt werden kann – nicht geeignet ist

Quelle: Abstractband WFH-Kongress 2010, Haemophilia (2010), 16 (Suppl. 4): 5