UPPSALA (BIERMANN) – Um die geeignete Faktor VIII-Dosis für die Prophylaxe eines hämophilen Patienten zu bestimmen, ist weniger das Körpergewicht maßgeblich, sondern vielmehr die Pharmakokinetik. Das ist die Art und Weise, wie sich der Faktor VIII im Körper verhält, wie schnell er abgebaut wird oder wie aktiv er ist.

Diese Pharmakokinetik fällt neueren Studien zufolge bei den einzelnen Patienten stark unterschiedlich aus. Die vorliegende aktuelle Studie von Sven Björkman von der Universität Uppsala, Schweden, zeigt, dass zur Bestimmung der individuellen Pharmakokinetik drei Blutproben reichen. Björkman bediente sich dazu einer bestimmten statistischen Methode, der Bayes-Analyse.

Zunächst wurde das notwendige Modell hergestellt. Dazu griff Björkman auf Daten aus Studien zurück, bei denen an bis zu 16 Zeitpunkten nach der Faktor VIII-Infusion Blutproben genommen worden waren. Dann reduzierte er die Daten auf weniger Blutentnahme-Zeitpunkte und prüfte, inwieweit sie mit der Bayes-Analyse zu denselben Ergebnissen führen würden.

Dabei stellte er fest, dass eine Blutentnahme 4, 24 und 48 Stunden nach der Faktor VIII-Infusion ausreicht, um sich ein Bild von der Pharmakokinetik des Patienten zu machen und somit eine geeignete Faktor VIII-Dosis für die Prophylaxe bestimmen zu können. Selbst ein einzelner 24-Stunden-Wert entpuppte sich als gar nicht so schlecht, um eine maßgeschneiderte Prophylaxe zu beginnen. Die damit mögliche Vorhersage der FVIII-Spiegel nach 5 bis17 Monaten war nicht viel schlechter als jene, die auf einer vollständigen Pharmakokinetik-Analyse beruhten. Im Gegensatz dazu ging die Dosisbestimmung anhand des Körpergewichts komplett daneben.

"Der beste Weg, um die Faktor VIII-Dosis maßzuschneidern, würde daher nicht darin bestehen, eine rigorose Studie mit vielen Blutproben zu einem Zeitpunkt zu machen und diese Befunde dann über viele Monate und Jahre anzuwenden", schreibt der Wissenschaftler. Stattdessen hält er es für besser, zwischendurch immer mal wieder die Faktor VIII-Aktivität zu überprüfen, um mit diesen Daten die Bayes-Schätzungen der Pharmakokinetik kontinuierlich zu aktualisieren. "Dies liefert ein besseres Bild der Level der Faktor VIII-Aktivität des Patienten unter der Routine-Prophylaxe und bei Bedarf eine Basis für die Anpassung der Dosis", empfiehlt er.

Selbst sehr begrenzte Informationen zur Pharmakokinetik hält er für weit besser als keine. Der tatsächliche Dosisbedarf werde aber nicht von der Pharmakokinetik oder den Spiegeln der Faktor VIII-Aktivität bestimmt, ergänzt Björkman allerdings. Um den zu ermitteln, müssten langfristig die Blutungsfrequenz und der Zustand der Gelenke berücksichtigt werden.

Quelle: Haemophilia 2010; 9. Februar [Epub ahead of print]