Wie eine Frau mit Carrier-Status entbinden sollte, ist seit langem umstritten. Prof. Rolf C. R. Ljung vom Universitätsklinikum hat nun in einer Übersichtsarbeit versucht, diese Frage zu klären.

Er hat verschiedene Studien zu geburtshilflichen Aspekten der Hämophilie durchgesehen und kommt zu dem Schluss, dass bei den meisten Frauen mit Carrier-Status eine vaginale Entbindung anzuraten ist.

"Rund 2,0 bis 4,0 Prozent aller hämophilen Jungen, die in Ländern mit einem guten Standard der Gesundheitsversorgung geboren werden, werden während der neonatalen Phase unter einer Hirnblutung leiden", schreibt der Autor.

Dies sei eine durchschnittliche Zahl, die alle Entbindungsarten umfasst – ungeachtet dessen, ob zum Zeitpunkt der Geburt der Carrier-Status der Mutter oder der des Fötus bekannt war oder nicht.

Auf Basis der aktuellen Literatur könne man zu dem Schluss gelangen, dass das Risiko für schwere Blutungen beim hämophilen Neugeborenen bei einer normalen vaginalen Entbindung klein ist, bilanziert Ljung.

Der Experte hält es für möglich, die geringe Rate an Komplikationen weiter zu reduzieren: dazu gehören geeignete Vorsichtsmaßnahmen, wenn bei einer Schwangeren mit bekanntem Carrier-Status die Entbindung geplant wird und das Geschlecht des Babys – oder vielleicht sogar der Hämophilie-Status – bekannt ist.

Aber Achtung: Bei der Entbindung von Frauen mit Carrier-Status sollten Instrumente wie die Saugglocke sowie Fetalmonitore an der Kopfhaut des Kindes vermieden werden.

Quelle: Haemophilia, published online: 18. November 2009