Die Produktion von genetisch identischen Stammzellen schreitet enorm voran. Wissenschaftler versprechen sich vom therapeutischen Klonen große Erfolge bei der Behandlung verschiedener körperlicher Funktionsstörungen, darunter vielen Erbkrankheiten.

Professor Moon aus Seoul ist Mitglied jenes Forschungsteams , das erstmals Stammzellen von einem geklonten menschlichen Embryo entwickelt hat.  Auf der Konferenz der Europäischen Gesellschaft für menschliche Reproduktion und Embryologie (ESHRE) hat er in Berlin bekannt gegeben, dass sein Team im Stande sei, potentiell unlimitierte und undifferenzierte Stammzellen zu generieren. Moon und seine Kollegen entnahmen dafür 242 Eier von 16 gesunden Spendern.

Obwohl dieser Vorgang in hohem Maße experimentell ist und noch wesentlicher Verbesserung bedarf, wurde die Publikation der Ergebnisse bereits mit großem Enthusiasmus seitens der Wissenschaftler begrüßt. Zweifellos gibt es auch kritische Stimmen. Es ist sicherlich an der Zeit, die ethisch strittigen Fragen im Zusammenhang mit dem Klonen grundsätzlich zu klären. 

„Wir nennen das hier therapeutisches Klonen, um es vom reproduktiven Klonen zu differenzieren, wo das Ziel ist, einer Frau einen geklonten Embryo einzupflanzen, um ein Kind zu zeugen.“ Wissenschaftler versprechen sich vom therapeutischen Klonen große Erfolge bei der Behandlung verschiedener körperlicher Funktionsstörungen, darunter vielen Erbkrankheiten.

Folgende Erbkrankheiten lassen sich unterscheiden:

Chromosomale Erkrankungen: Hierbei kommt es zu einer Veränderung der Chromosomenzahl oder -struktur. Kinder mit Geschlechtschromosomen-Anomalien sind fast immer lebensfähig, häufig jedoch steril und eventuell geistig zurückgeblieben.  Beispiel: Mongolismus

Monogene Krankheiten: Nur ein Gen ist für den Ausbruch einer Erkrankung verantwortlich. Dieser „Gendefekt“ führt zum Verlust oder der Fehlbildung eines bestimmten Enzyms oder Proteins. Diese Erbkrankheiten sind relativ häufig, u.a. fallen die meisten Stoffwechselkrankheiten in diese Gruppe.  Beispiele: Albinismus, Taubstummheit und Bluterkrankheit

Polygene Störungen: Diese entstehen durch das Zusammenwirken vieler einzeln nicht nachweisbarer Gene einerseits, sowie oft unbekannter Umweltfaktoren andererseits. Das Auftreten und die Wiederholungsgefahr polygener bzw. multifaktorieller Erbleiden kann nicht wie bei den monogenen Erkrankungen mit Regeln bestimmt oder vom Stammbaum abgelesen werden, sondern muß empirisch ermittelt werden. Beispiele: Allergien, Diabetes Typ II, Herzfehler und Schizophrenie

Die häufigste Ursache für Mißbildungen sind Störungen in der Embryogenese, die Klone und natürliche Kinder durchlaufen müssen. Diese können durch äußere Faktoren (fruchtschädigende Arzneimittel oder Chemikalien) oder durch Umstände im Körper der Frau bedingt sein, was gleichermaßen geklonte und natürliche Embryonen betrifft.

Nicht nur hier besteht noch grosser Klärungsbedarf.

Quelle: European Society for Human Reproduction and Embryology today (ESHRE, Berlin 2004, 30 June)