Wie bei Gesunden nimmt auch bei hämophilen Menschen die Faktor VIII-Plasma-Aktivität (FVIII:C) mit dem Alter zu. Das konnte jetzt ein Forscherteam um Dr. Wolfgang Miesbach vom Institut für Transfusionsmedizin an der Frankfurter Goethe-Universität zeigen.

Dass die FVIII:C-Spiegel bei Gesunden variieren und mit dem Alter steigen, ist bereits bekannt. Bei Hämophilie war ein potenzieller Anstieg der Aktivität mit den Jahren aber noch nicht erforscht worden.

Miesbach und sein Team untersuchten daher rückblickend die Daten von über 45-jährigen Patienten, darunter 29 mit leichter Hämophilie und 14 mit mäßig schwerer oder schwerer Hämophilie. Für diese Patienten lagen Daten für Zeiträume zwischen 5 und 28 Jahren vor.

Die Ergebnisse zeigen, dass die FVIII:C-Spiegel mit dem Alter bei leichter Hämophilie steigen. Es gab auch einen Trend hin zu einem stärkeren Anstieg im höheren Alter, dieser war aber statistisch nicht bedeutsam.

In Zahlen bedeutet das: der mediane Unterschied der FVIII:C-Spiegel zwischen der ersten und der letzten Messung betrug acht Prozent der normalen Plasmakonzentration (Spanne: -3 bis + 35 Prozent).

Der mediane Anstieg der FVIII:C-Spiegel bei den unter 62-Jährigen betrug 7,5 Prozent (Spanne -3 bis 22 Prozent), bei älteren Patienten hingegen 12 Prozent (Spanne 0-35 Prozent). Ein Zusammenhang mit weniger Blutungen fand sich allerdings nicht.

Für die Praxis ist es aber wichtig zu wissen, dass die Substitutionsdosis von Faktor VIII an die sich verändernden Plasmaspiegel im höheren Alter angepasst werden sollte, um einer Überdosierung oder Thrombose-Risiken vorzubeugen.

Ob diese Befunde erhärtet werden können, müssen größere Studien zeigen, die auch jüngere Patienten einschließen.

Quelle: Haemophilia. 2009 Jun 1. [Epub ahead of print]