Wenn hämophile Patienten operiert werden müssen, wird ihr Faktor VIII-Spiegel zuvor stark angehoben. Bei der Höhe der Werte stimme die gängige Praxis in Europa größtenteils mit den publizierten Daten überein, berichten Forscher aus Belgien. Ausnahmen gibt es bei Zahn-OPs.

"Obgleich die meisten chirurgischen und invasiven Maßnahmen sicher bei Patienten mit Hämophilie erfolgen können, ist die optimale Konzentration und Dauer der Ersatztherapie, um Blutungskomplikationen vorzubeugen, bislang nicht schlüssig festegestellt worden", schildern Cedric Hermans von der Université Catholique de Louvain in Brüssel und sein Team den Hintergrund ihrer Studie.

Daher sichteten sie die Literatur und befragten 26 europäische Hämophilie-Zentren in 15 verschiedenen Ländern dazu.

Die Wissenschaftler fanden 110 Originalartikel, die zwischen 1965 und 2007 erschienen sind. Davon handelte es sich nur in zwei Fällen um "randomisierte" kontrollierte Studien (mit zufälliger Zuteilung der Probanden zu einer bestimmten Therapie).

Zielwerte und Dauer der Ersatztherapie in den publizierten Studien sahen wie folgt aus:

– bei großen orthopädischen Operationen: die Zielwerte vor dem Eingriff lagen bei 80-90 Prozent, hinterher variierten sie stark, mit Tiefstwerten von 20-80 Prozent über 10-14 Tage

– bei Leberbiopsie: 70-100 Prozent, 1-7 Tage

– bei Tonsillektomie: 90-100 Prozent, 5-11 Tage

– Platzierung eines Ports: 100 Prozent, 3-10 Tage

– Beschneidung 50-60%, 2-4 Tage

– Zahn-OPs: 30-50%, einzelne Behandlung

"Diese Studie beleuchtet den Bedarf an besser konzipierten Studien, um die minimalen hämostatischen Werte für die Ersatztherapie und die optimale Therapiedauer besser zu definieren", unterstreichen die Forscher.

Quelle: Haemophilia 2009; 15 (3): 639-58