BRÜSSEL (BIERMANN) – Hämophilie A wird bekanntlich mit intravenösen Infusionen mit Faktor VIII (FVIII) behandelt. Wie hoch die Einzeldosis sein muss, wird nach einer Formel errechnet, die das Körpergewicht enthält. Der belgische Forscher Cedric Hermans vom St. Luc Universitätsklinikum in Brüssel und sein Team haben nun herausgefunden, dass neben dem Körpergewicht auch der Fettmasse-Index bei der Feinabstimmung von Bedeutung ist.

Im Rahmen ihrer Studie untersuchten die Forscher, ob es einen Zusammenhang zwischen der körperlichen Statur und dem Verbrauch von Faktorpräparat gibt. Die morphologischen Variablen umfassten das Körpergewicht, den Fettmasse-Index und die Differenz zwischen aktuellem und idealem Körpergewicht.

Als Messgröße für diese Studie diente der Recovery-Wert. Dieser Wert wird innerhalb von 10 bis 15 Minuten nach Beendigung der Injektion bestimmt, um das Maximum des Faktorspiegels im Blut zu erfassen.

Der Recovery-Wert für FVIII wurde bei 46 nicht aktiv blutenden Hämophilie-A-Patienten untersucht, die mit rekombinanten Faktorpräparaten versorgt wurden. Der mittlere Recovery-Wert lag für alle Patienten bei 2,08.

Personen mit einem Gewicht von mehr als 81 kg hatten mit 2,63 einen höheren Recovery-Wert, wohingegen die übrigen Patienten einen niedrigeren Recovery-Wert von 1,87 erreichten. Der Recovery-Wert war bei Patienten mit einem Fettmasse-Index von mehr als 20 Prozent höher als bei Patienten mit einem Fettmasse-Index von weniger als 15 Prozent (2,35 respektive 1,74).

Nach diesen Ergebnissen gibt es drei Gruppen mit signifikant unterschiedlichen Recovery-Wert-Ergebnissen:

  • Personen mit einem Körpergewicht von bis zu 80,5 kg und einem Fettmasse-Index von weniger als 22,3 Prozent haben einen medianen Recovery-Wert von 1,8.
  • Personen mit einem Körpergewicht von höchstens 80,5 kg und einem Fettmasse-Index von mehr als 22,3 Prozent haben einen medianen Recovery-Wert von 2,16.

  • Patienten mit einem Körpergewicht von über 80,5 kg hatten den höchsten medianen Recovery-Wert mit 2,63.
  • Aus diesem Grund kommen die Autoren zu dem Schluss, dass bei der Berechnung der Faktor-VIII-Einzeldosis das Körpergewicht und der Fettmasse-Index berücksichtigt werden sollten und bei unter- sowie übergewichtigen Patienten jeweils eine Dosis-Anpassung erforderlich ist.

Quelle: Journal of Thrombosis and Haemostasis 2011; DOI: 10.1111/j.1538-7836.2011.04431.x