Möglicherweise lassen sich Hirnblutungen bei Schlaganfallopfern mit einem Medikament begrenzen, das bislang nur zur Behandlung der Hämophilie eingesetzt wird.

In der Fachzeitschrift New England Journal of Medicine wird berichtet, dass das als "Faktor VIIa" bezeichnete Mittel bei ausgewählten Schlaganfall-Patienten auch die Chancen verbessern kann, die Hirnattacke zu überleben.

Untersucht wurden Patienten, deren Schlaganfall durch eine Blutung im Gehirn ausgelöst worden war. In den ersten vier Stunden nach dem Auftreten der Symptome wurden sie mit unterschiedlichen Mengen des gentechnisch hergestellten Medikamentes behandelt.

Von 303 war nach drei Monaten etwa die Hälfte dieser Patienten gestorben oder hatten schwere Behinderungen. Zur Kontrolle hatten 96 weitere Schlaganfallopfer ein Scheinmedikament (Placebo) erhalten: Von denen waren etwa zwei Drittel gestorben oder schwer behindert. Also deutlich mehr als die Patienten der Verumgruppe.

In den Kommentarten bewerten Fachleute den Unterschied dennoch zurückhaltend. "Faktor VIIa" ist Teil des Schutzsystems, das im Körper nach einer Verletzung die Bildung von Blutgerinnseln in Gang setzt. Diese Wirkung hatte das Mittel jedoch auch bei den Schlaganfallpatienten: Bei einem von 20 Patienten verursachte es selbst gefährliche Blutgerinnsel, die Herzinfarkte oder einen erneuten Schlaganfall zu Folge hatten. Es wird deshalb gefordert, dass die Sicherheit des Medikaments erst in weiteren Studien belegt werden muss, bevor es für einen breiteren Einsatz in Frage kommt.

Quellen: NEJM, 352, S. 777 resp. S. 828, 2005