"FAKTOR

Elektronische Assistenten im Auto warnen vor dem Radfahrer im toten Winkel und vor dem Spurwechsel ohne Blinker. Aber sie dürfen den Fahrer auf keinen Fall bevormunden oder ablenken – die Hersteller versuchen sich am Spagat.

Beitrag entnommen aus unserem Magazin FAKTOR (Ausgabe Nr. 01, August 2006), dem Magazin rund um das Thema Sicherheit.

James Bond bremst nicht. Er rast mit technischen Wunderwerken in Autoform über Highways und Autobahnen, gerne auch mal entgegen der Fahrtrichtung. Immer steigt er hinterher heil aus seinen Wunderkarossen aus, Unfälle passieren nur den anderen. Bei allem Respekt für die Fahrkünste des Agenten seiner Majestät, für ein wohlerzogenes Auto mit einem modernen Fahrassistenten wäre Bonds Fahrstil der Albtraum. Die Warnungen würden gar nicht mehr abreißen: zu schnell gefahren, Mindestabstand nicht eingehalten, beim Überholen nicht geblinkt, sofort anhalten!

Helfer im Handschuhfach

Weil auf Deutschlands Autobahnen weniger Verfolgungsjagden, schon gar nicht mit Mr. Bond, und dafür öfter Stau angesagt ist, haben Fahrzeug-Assistenz-Systeme glänzende Aussichten. Bei Siemens VDO wird noch in diesem Jahr der "Traffic-Jam- Assistant" serienreif. Die Elektronik misst mit Radar den Abstand zum Vordermann und reagiert mit dezenten Warnhinweisen und sogar Bremsmanövern, wenn es eng wird – das soll Auffahrunfälle beim Stop-and-Go verhindern. Auch der Abstandstempomat unterstützt den Fahrer auf der Autobahn. Beispielsweise während man gerade mit Reisegeschwindigkeit nach Italien schwebt und ein langsamer Wohnwagen auf der linken Spur einen LKW überholt. Statt stur an der Reisegeschwindigkeit zu kleben, bremst das Auto automatisch ab und beschleunigt erst wieder, wenn die Spur frei ist.

Blick nach hinten inklusive

Die Blind-Spot-Detection erfüllt den innigsten Wunsch jedes Fahrschülers. "Schauen, schauen, umdrehen und schauen", hat der Fahrlehrer den Führerscheinaspiranten immer wieder eingetrichtert. Einziger Zweck: Fahrzeuge und Personen im toten Winkel sollen nicht übersehen werden. Mit der Blind-Spot-Detection hilft in Zukunft ein Radarsensor dabei, an den Schulterblick zu denken. Setzt der Fahrer den Blinker, obwohl gerade ein anderer Wagen im toten Winkel auftaucht, leuchtet ein rotes Dreieck am Außenspiegel auf und warnt so vor dem ankommenden Fahrzeug.

Um den Fahrer nicht mit Leuchten und Anzeigen zu überfordern, ist dezentes Heischen um Aufmerksamkeit Trumpf. So meldet der Spurassistent nur durch leichtes Rütteln am Lenkrad, wenn der Fahrer zu nah an den Fahrbahnrand gerät. Was Fahrassistenz-Systeme kaum tun: In das Geschehen eingreifen. "Wir dürfen den Fahrer nicht bevormunden", erklärt Michael Lütz von Siemens VDO. Natürlich wäre es möglich, dass die Elektronik Tempolimits erkennt und keine höhere Geschwindigkeit erlaubt. "Aber das birgt auch Gefahren", so Lütz, "für ein Ausweichmanöver muss der Fahrer unter Umständen über die erlaubte Geschwindigkeit hinaus beschleunigen können." Deshalb hebt das System nur mahnend den Zeigefinger: Ist der Fahrer zu schnell unterwegs, zeigt ein Display die erlaubte Geschwindigkeit und daneben ein rotes Ausrufezeichen – bremsen muss James Bond weiterhin selbst.