Schülerfrage zu Krankheitsbild sowie Vorgehen bei Geburt und Tätowierung

Ich bin Schülerin der 10. Klasse und werde demnächst ein Referat über Hämophilie halten. Meine Frage wäre in wiefern Einschränkungen beim Tätowieren vorhanden sind und wie es bei der Geburt aussieht, wenn die Frau an Hämophilie erkrankt ist? Desweiteren würde ich mich gerne über das Erscheinungsbild informieren (Gelenkblutungen, blaue Flecken,…)?

Patienten mit einer Hämophilie werden nach der vorhandenen Restaktivität in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt. Bei Patienten mit einer schweren Hämophilie fehlt der Gerinnungsfaktor vollständig (Der Faktor VIII bei der Hämophilie A und der Faktor IX bei der Hämophilie B). Diese Patienten bluten spontan hauptsächlich in ihre Gelenke, neigen aber auch zu Hämatomen und Muskelblutungen und können im schlimmsten Fall eine Hirnblutung bekommen. Sie bluten auch bei kleinen Verletzungen und auch beim Tätowieren. Patienten mit moderater Hämophilie (Restaktivität 1-4%) bzw. leichter Hämophilie (Restaktivität 5-40%) bluten in der Regel nach Verletzungen und bei Operationen. Ob sie für eine Tätowierung den verminderten Gerinnungsfaktor substituiert bekommen müssen, hängt von der Restaktivität des Gerinnungsfaktors ab. Je weniger davon da ist, desto wahrscheinlicher ist eine Blutung und eine Therapie notwendig.
Frauen haben 2 X-Chromosomen und sind deshalb sehr selten an einer schweren Form der Hämophilie erkrankt, da dann beide Chromosomen betroffen sein müssen. Leichte Verminderungen sind allerdings auch bei den Konduktorinnen (ein X-Chromosom betroffen) möglich. Das kann bei operativen Eingriffen und bei der Entbindung in Einzelfällen auch zu Blutungen führen. Der fehlende Gerinnungsfaktor muss dann substituiert werden.

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

Vorgehen bei Tattoos bei Willebrand-Syndrom Typ 2?

Ich habe das Willebrand-Syndrom Typ 2N, Faktor VIIIc, und würde mich gerne am Bein tätowieren lassen. Kann ich das und wenn ja, mit welchen Komplikationen muss ich rechnen?

Für eine Tätowierung am Bein ist bei einem von Willebrandsyndrom Typ 2N die Faktor VIII-Restaktivität in der Regel ausreichend.
Mit größeren Blutungskomplikationen ist nicht zu rechnen.

Sie sollten in ihrem Arztbrief mit der Diagnose des von Willebrandsyndroms Typ 2N auch eine Angabe des Faktor VIII-Spiegels in % finden.

Faktor VIII-Spiegel > 15% sind für eine Tätowierung völlig ausreichend, so dass keine anderen Komplikationen als die, die auch bei einem Patienten ohne Gerinnungsstörung auftreten können, zu befürchten sind.

Vorgehen bei Tattoos bei Faktor II-Mutation?

Beim mir wurde das Faktor 2 Mutation (prothrombin) festgestellt, nehme keine Medikamente. Darf ich mich am Fußknöchel tätowieren lassen?

Die Faktor II-Mutation bedingt ein leicht erhöhtes venöses Thromboserisiko und führt nicht zu einer Blutungsneigung.Damit steht einer Tätowierung eigentlich nichts entgegen und diese kann, wenn Sie das möchten, durchgeführt werden.

Tattoo bei Hämophilie?

Ich habe Hämophilie und würde gerne wissen, ob es grundlegend möglich ist, sich ein Tattoo stechen zu lassen als Bluter?

Grundsätzlich ist es möglich, auch bei einer schweren Hämophilie, sich ein Tattoo stechen zu lassen. Wenn dies kunstgerecht gemacht wird, sollte es nicht zu einer vermehrten Blutung kommen. Ansonsten wäre es natürlich auch möglich, dafür einen Tag zu nutzen, an dem sowieso eine Prophylaxe gegeben wird.Es gibt bei dieser Prozedur aber einiges zu bedenken:

1) Falls Sie noch nicht volljährig sind, müssen die Erziehungsberechtigten schriftlich ihre Einwilligung geben, ansonsten kann der Mensch, der das Tattoo sticht wegen Körperverletzung angezeigt werden.

2) Tattoos sind nicht ohne Risiko für eine Allergie, insbesondere bunte Farbstoffe, die unter die Haut gelangen, können heftige Allergien auslösen und sind dann nur schwer mit Lasern wieder zu entfernen. Die hohen Kosten dafür muß die Krankenkasse nicht übernehmen, bzw. kann sie zurückfordern.

3) Tattoos sind noch immer mit dem Risiko einer Hepatitisinfektionsübertragung verbunden. Dies sollte eigentlich auch in der Risikoaufklärung besprochen werden.

4) Die Prozedur ist schmerzhaft, hier müßte eine Schmerztherapie, wenn gewollt, vorher besprochen werden.

Sie sehen, das Ganze ist nicht so einfach. Falls Sie sich entschließen sollten, ein Tattoo stechen zu lassen, sollten Sie sich auf alle Fälle ein sehr seriöses Studio aussuchen, das ganz sauber arbeitet.

Hinweise und Prophylaxe bei Hämophilie A?

Ich habe schwere Hämophilie A und möchte mir trotzdem gerne ein Tattoo stechen lassen! Was sollte ich beachten bzw. wie sollte ich mich vorbereiten? Momentan spritze ich mich prophylaktisch 3x pro Woche.

Man kann sich auch mit einer schweren Hämophilie ein Tattoo stechen lassen. Allerdings sollte das Stechen nicht bei einem sehr niedrigen Spiegel des Gerinnungsfaktors durchgeführt werden. Am besten lassen Sie das Tattoo am Tag der Prophylaxe in möglichst kurzem Abstand zu der Faktorengabe stechen. Eine zusätzliche Substitution des Gerinnungsfaktors ist dann nicht notwendig.