Zahn-OP

Bei mir wurde kürzlich eine Blutgerinnungsstörung festgestellt: „Faktor IX Aktivität mit Subhämophilie B“ so steht es in meinem Notfallausweis. Vor einem kieferchirurgischer Eingriff habe ich dem behandelnden Arzt diesen Ausweis gezeigt. Seitdem gibt es Probleme. Zunächst war strittig ob der Hämatologe oder der Kieferchirurg mir das gerinnungsfördernde Medikament verabreichen soll. Jetzt scheitert die OP (drei Implantate und Knochenaufbau) offensichtlich daran, dass mein Kieferchirurg nicht in einem Krankenhaus arbeitet, das die stationäre Nachsorge (Monitoring) übernehmen kann. Ich bin mittlerweile 61 Jahre alt und habe bisher mehrere Operationen (u.a. Milzruptur, Zwölffingerdarm, Gallenblase, Kreuzbandriss) ohne Substitution überstanden. Auch drei Zahnimplantate wurden bereits vor vielen Jahren problemlos eingesetzt. Der in diesem Jahr ausgestellte Notfallausweis zwingt meinen Kieferchirurgen offenbar dazu, die Behandlung an einen anderen Arzt abzugeben. Was kann ich unternehmen, dass der mir vertraute Arzt den Eingriff durchführt?

Die Subhämophilie B muss nicht zwangsläufig zu einer Blutungsneigung führen. Um Ihnen eine befriedigende Antwort geben zu können brauche ich mehr Informationen:
1. Warum wurde die Untersuchung durchgeführt? Haben sie geblutet? Gibt es männliche Verwandte der mütterlichen Linie, die geblutet haben?

2. Welche Restaktivität hat der Faktor IX ( wird in der Regel in % angeben)?

3. Dass man eine erbliche Blutgerinnungsstörung in ihrem Alter nach mehreren problemlosen Operationen feststellt, halte ich für wenig wahrscheinlich. Ist eine genetische Untersuchung veranlasst worden?

4. Möglicherweise ist in ihrem Fall die alleinige Gabe von Tranexamsäure völlig ausreichend. Eine hämosatseologische Zweitmeinung erscheint mir sinnvoll.

Für eine weitere Rücksprache stehe ich gern zur Verfügung.

Nachblutung bei Zahn-OP?

Mein Sohn hatte gestern eine Zahn-Op und meinte, dass der eine Zahn so lange nachgeblutet hat. Sollte er überprüfen lassen, ob er Bluter ist? Meine Frage ist: er hatte schon zwei schwere OP gehabt. Wäre das nicht aufgefallen?

Bei einigen leichten Gerinnungsstörungen kann es vor allem zu Blutungen im Schleimhautbereich kommen, so dass nach zwei schweren Operationen eine starke Blutgerinnungsstörung ausgeschlossen ist.
Eine leichte Gerinnungsstörung ist trotzdem möglich, vor allem dann wenn Ihr Sohn noch andere Symptome wie Nasenbluten oder Zahnfleischbluten oder eine Neigung zu Hämatomen haben sollte.

Wie findet man erfahrenen Zahnarzt für Zahn-OP?

Mein Sohn (20) hat Defizite bei den Faktoren VIII (42%) und IX (48%). Jetzt müsste ein Weissheitszahn gezogen werden. Da er alleine in Holland lebt würde ich gerne wissen welche Fragen er dem Zahnarzt stellen sollte um sicher zu sein, dass es der „Richtige“ ist?

Die einfachste Frage ist, ob der Zahnarzt schon vorher Patienten mit einer Blutgerinnungsstörung behandelt hat.Bei einem Ja kann man zumindest annehmen, dass eine gewisse Erfahrung mit dieser Patientengruppe vorliegt.
In der Regel haben auch die Hämophiliezentren in den Niederlanden, die Patienten mit Gerinnungsstörungen behandeln, einen Kontakt zu einem spezialisierten Zahnarzt.

Fragen zu operativen Eingriffen und möglichen Komplikationen

Mein Partner hat die schwere Form der Hämophilie A und sagte mir gerade, dass er für einen Eingriff an der Schulter, eine „Schleimbeutelentfernung“, nur lokale Betäubungen haben darf, solange diese nicht ins Rückenmark geht. Ansonsten muss es in Vollnarkose gemacht werden. Warum ist dies so? Besteht dann vermehrte Blutungsgefahr? Wie lange muss ein Hämophilie A Patient im Krankenhaus bleiben, wenn der Eingriff in Vollnarkose gemacht wird und es keine Komplikation gibt? 24 Stunden oder länger?

Wie in vielen Bereichen der Medizin gibt es hier verschiedene Sichtweisen. In der Zeit der unzureichenden Therapie der Hämophilie mit Faktorenkonzentraten musste jedes zusätzliche Risiko vermieden werden, das mit einer Blutung verbunden war. Rückenmarksnahe Blutungen können schwerwiegende Folgen haben, so dass früher generell davon abgeraten wurde. Mit der modernen Substitutionstherapie ist nach der entsprechenden Gabe des Faktor VIII bei einem Spiegel im Normbereich auch eine rückenmarksnahe Anästhesie möglich, vor allem dann, wenn Sie für den entsprechenden Eingriff einen Vorteil bringt. Das sollte entsprechend mit dem Operateur und dem Anästhesisten besprochen werden. Da ihr Partner offensichtlich zur eigenständigen intravenösen Gabe des Faktors in der Lage ist, halte ich eine Beobachtung für 24h in der Klinik bei einem komplikationslosen Eingriff für absolut ausreichend.

Erfahrungen und Situation nach Einsatz einer Prothese?

Mein Mann hat eine schwere Form der Hämophilie A, Resusfaktor unter 1 % und vor 8 Jahren eine Knie-tep bekommen. Diese hat sich nun entzündet. Eine Knie-Spiegelung brachte die Erkenntnis, dass es keine Blutung war. Das Knie war angeschwollen mit Eiterflüssigkeit. Jetzt meine Frage: Wir sind mit der Behandlung des zur Zeit zuständigen Krankenhauses nicht zufrieden. Allerdings ist dort unsere Gerinnungsambulanz und in unserer Stadt gibt es keinen Hämatologen. Man sagte uns, dass man das Knie versteifen will sobald die Antibiotika anschlagen und die Entzündung soweit weg ist, dass man operieren kann! Mein Partner ist 35 Jahre alt, wir haben zwei Kinder und waren natürlich total geschockt. Man sagte uns, dass Menschen mit Hämophilie dazu neigen, dass sich die Prothesen auch nach Jahren noch entzünden. Ob es mit einer neuen Prothese besser wird könne man nicht versprechen! Mein Partner möchte aber kein steifes Knie und will sich nach einer Zeit von ca 3 Monaten eine neue Prothese geben lassen. Denken sie, dass sich das wieder entzünden wird? Immerhin ging es jetzt auch acht Jahre gut. Und muss man bei so einer Entscheidung in dem Krankenhaus bleiben wo die Gerinnungsambulanz ist oder hätten wir trotzdem freie Krankenhauswahl? Ich bin sehr verzweifelt, wir hatten schon so einige Gesundheitsprobleme durch die Hämophilie aber das jetzt ist wirklich schlimm. Vielen Dank.

Nach einer Knieprothese kann es auch nach Jahren noch zu einer Infektion kommen. Das kann bei Patienten mit und ohne Hämophilie gleichermaßen passieren.In der Regel wird die Prothese dann ausgebaut, vorübergehend eine Platzhalter eingesetzt und eine längere Therapie mit Antibiotika begonnen.
Nach 3 Monaten wird dann eine neue Prothese eingebaut. Das funktioniert meistens recht gut, ohne dass es zwangsläufig zu einer erneuten Infektion kommt.
Diese Operationen kann man auch in einem anderen Krankenhaus durchführen, allerdings sollte dieses Krankenhaus unbedingt über ein Hämophiliezentrum bzw. einen Gerinnungsspezialisten verfügen, damit es bei der Operation nicht zu Blutungskomplikationen kommt.

Wie findet man einen Kinderarzt für Gerinnungsdiagnostik?

Bei mir wurde vor einer Knie OP festgestellt, das ich einen Faktor VII Mangel habe. Da ich bis auf eine starke Regelblutung (verbunden mit jahrelangem Eisenmangel) nie was hatte, war ich doch sehr erstaunt, da es bei meinen zwei Kaiserschnitten nicht festgestellt wurde. Nun meine Fragen: 1) Wie kann es sein, dass weder bei meinem Vater noch bei meiner Mutter (es sind meine leiblichen Eltern) dieser Gendefekt festgestellt wurde? 2) Ich habe zwei Kinder, eine Tochter (12) und einen Sohn (8). Können sie den Gendefekt geerbt haben? Ich wollte beide bei ihrem Kinderarzt testen lassen. Dieser weigert sich jedoch mit der Begründung es sei nicht notwendig. Wie sehen sie das Ganze? Da ich nahezu symptomfrei lebe, habe ich nicht wirklich Angst, möchte aber falls meine Kinder einen Unfall haben oder operiert werden müssen, einfach wissen, ob sie es haben oder nicht. Wenn Sie mir diesbezügliche weiterhelfen würden, wäre ich ihnen sehr dankbar.

Bei einem heterozygoten Faktor VII-Mangel (ein Gen betroffen, ein Gen normal) ist in der Regel nur mit einer leichten Verminderung des Faktor VII zu rechnen. Diese führt weder im Alltag noch bei Operationen zu einer Blutungsneigung (wie sie selbst festgestellt haben), fällt aber im Labor durch eine Erniedrigung des Quick-Werts auf. Diese Erniedrigung ist allerdings stark von dem verwendeten Quick-Reagenz im Labor abhängig, so das der milde Faktor VII-Mangel häufig nicht auffällt.Entscheidend ist die Faktor VII-Restaktivität. Bei einem Faktor VII > 20% ist nicht von einer erhöhten Blutungsneigung auszugehen, so dass der Defekt weder für Sie selbst noch für ihre Kinder von Bedeutung ist. Die Restaktivität sollte ihnen vorliegen.
Es ist sicher sinnvoll sich für eine weitergehende Beratung und, falls notwendig, Analyse sich bei einem Hämostaseologen vorzustellen.

Schlupfliederentfernung bei Faktor VIII-Mangel & Willebrand-Faktor-Mangel?

Bei mir wurde 2003 nach einer OP mit starken Nachblutungen, ein Mangel an Faktor VIII assoziiertes Antigen 49%, von Willebrand-Faktor 56% festgestellt. Nun möchte ich mir die Schlupflieder entfernen lassen, doch keiner weiß ob ich etwas zur Blutgerinnung haben muss. Es gab in den Jahren nach der Feststellung noch eine OP sowie einen gezogenen Zahn ohne Vorkehrungen. Mein Augenarzt würde das Risiko tragen und eine OP durchführen. Haben Sie einen Rat für mich?

Anhand der Laborwerte besteht bei Ihnen der Verdacht auf ein mildes von Willebrandsyndrom Typ 1. Das sollte überprüft und aktualisiert werden (Kontrolle der von Willebrandparameter und PFA 100). Bei ihren Laborwerten ist unter alltäglichen Belastungen kaum eine relevante Blutungsneigung zu erwarten. Bei größeren Verletzungen oder operativen Eingriffen könnte es allerdings zu Blutungskomplikationen kommen. Das ist für die geplante Operation eher unwahrscheinlich, aber nicht sicher ausgeschlossen, so dass ich Ihnen eine hämostaseologische Vorstellung empfehle. Dort kann dann auch, falls notwendig, ein Behandlungsplan für die geplante Operation erstellt werden.

Zahn-OP bei geringer Faktor VIII Aktivität

Hallo, ich bin Konduktorin Hämophilie A und habe selber eine Faktor VIII Restaktivität von ca. 18%. Jetzt steht bei mir eine zahnärztliche Behandlung an (Kronenversorgung von 9 Zähnen). Meine Frage: Muss ich irgendetwas beachten oder kann ich die Zahnbehandlung ganz normal durchführen lassen? Die Bestimmung der Restaktivität des Faktor VIII 18% ist bei mir schon sehr lange her, über 10 Jahre. Sollte ich sie neu bestimmen lassen oder ist dies nicht nötig?

Sollte bei Ihnen im Rahmen der Behandlung doch ein Zahn gezogen werden müssen, dann kann es bei einer Restaktivität des Faktor VIII von 18% zu Nachblutungen kommen.
Eine Therapie mit z.B. Minirin vor der Zahnextraktion und Tranexamsäure danach wäre ggf. sinnvoll.

Bei einer ausschließlichen Versorgung mit Kronen ohne größere Verletzungen des Zahnfleischs ist keine gerinnungsaktive Behandlung erforderlich.

Bei größeren Verletzungen des Zahnfleischs kann die Gabe von Tranexamsäure sinnvoll sein.

In jedem Fall sollten Sie mit dem Zahnarzt klären, ob Zähne gezogen werden müssen.

Eine aktuelle Bestimmung des Faktor VIII ist sicher sinnvoll, wenn eine Zahn gezogen werden muss oder das Risiko einer Blutung bei der Behandlung besteht, wenn die letzte Bestimmung länger als 10 Jahre zurück liegt.

Für weitere Fragen stehe ich gern zur Verfügung.

Was muss beim Ziehen der Milchzähne unter Lachgas (Narkose) bei schwerer Hämophilie A beachtet werden?

Hallo, mein Sohn ist 4 Jahre alt und hat Hämophilie A (schwere Form). Bei ihm sollten die Milchzähne gezogen werden weil sie kaputt sind. Das wird mit Lachgas gemacht. Meine Frage lautet; ist Lachgas gefährlich für ihn? Natürlich werden die Zähne an einem Tag gezogen, wenn die Prophylaxe gemacht wird. Es wären 2 Behandlungen nötig.

Der Einsatz von Lachgas-Sedierungen in Zahnarztpraxen bietet Zahnärzten ganz neue Behandlungsmöglichkeiten. Die Patienten verlieren ihre Angst, fühlen sich nach der Lachgas-Sedierung entspannt und begegnen zukünftigen Zahn-Behandlungen mit wesentlich weniger Angst.Die Lachgas-Sedierung wird vor allem bei Kindern angewendet, die Angst vor dem Zahnarzt haben. Sie ist besonders empfehlenswert bei schmerzempfindlichen Patienten und bei geistig bzw. körperlich beeinträchtigten Menschen.
Der Zahnarzt sollte zusätzlich immer ein Pulsoximeter verwenden.
Kontraindikationen: Vitamin B12-Mangel, (bei einer Anwendungsdauer > 2 Tage), Mittelohrentzündung, Darmverschluss (Ileus), Nach Augenoperationen mit intraokularen Gasen, behinderte Nasenatmung z.B. durch Nasennebenhöhlenentzündung (Sinusitis), Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD).
Die Wirkung von Lachgas ist nur kurz, bereits nach ungefähr 15 Minuten sind keine Wirkungen mehr wahrnehmbar.

Eine Hämophilie ist diesbezüglich keine Kontraindikation. Die entsprechende Substitutionstherapie muß aber in jedem Fall vorher begonnen werden.

Sollte eine Kiefer-OP bei Unsicherheitspatienten durchgeführt werden?

Meiner Freundin steht nächste Woche eine OP am Kiefer bevor. Faktor 7 hat sie und der Arzt schätzt sie als Unsicherheitspatientin ein. Ich habe sehr große Angst um sie und vielleicht können Sie mir weitere Informationen dazu geben.

Das kommt in der Regel auf das Ausmaß des Faktor VII-Mangels an. Die meisten Patienten haben einen milden Faktor VII-Mangel, der im Labor mit einer Erniedrigung des Gerinnungswertes Quick auffällt, aber keine Blutungsneigung macht.In der Regel ist eine Faktor VII-Aktivität über 20% ausreichend für eine normale Blutstillung. Hat ihre Freundin denn auffällige Symptome einer Blutungsneigung wie häufiges Nasenbluten, eine starke Regelblutung, Nachblutung nach Verletzungen oder blaue Flecken ohne Ursache? Das wäre ein Hinweis auf eine mögliche relevante Blutungsneigung. Vor der Operation sollte also auf jeden Fall die Faktor VII-Aktivität bestimmt werden, um das Risiko einer Blutung und die eventuelle Notwendigkeit einer Behandlung abzuschätzen.