HATFIELD (Biermann) – In Großbritannien erhalten die meisten jungen Menschen mit schwerer Hämophilie eine Prophylaxe mit Faktor-Konzentrat. Doch die Angaben dazu, wie gut sie diese einhalten, variieren in der Literatur stark und basieren vor allem auf Einschätzungen von Ärzten, Krankenschwestern und Eltern. Zudem ist noch nicht belegt worden, was speziell bei jungen Menschen dazu führt, ob sie ihre Therapie genau einhalten oder nicht.

Bei Arztbesuchen an insgesamt 13 Hämophilie-Zentren wurden 91 Teilnehmer für eine Studie hierzu angeworben. Sie wurden gebeten, Fragen zur selbst angegebenen Therapietreue (VERITAS-Pro-Fragebogen), Hämophilie-bedingten Schmerzen, zum Einfluss von Schmerzen, zu ihrer Krankheitswahrnehmung, ihren Ansichten über Medikamente, Selbstwirksamkeit, Erwartungen zum Krankheitsverlauf, zu positiven und negativen Gemütszuständen sowie sozialer Unterstützung zu beantworten. Die Zahl der Klinikaufenthalte und Blutungen in den vorangegangenen sechs Monaten wurden Krankenakten entnommen.

Wie die Ergebnisse zeigen, hatten von 78 Teilnehmern mit vollständigen Daten lediglich 18 Prozent Punktwerte, die für eine mangelnde Einhaltung der Therapie sprachen. Ob die Infusion absichtlich ausgelassen oder vergessen wurde, wurde von unterschiedlichen psychosozialen Faktoren vorhergesagt.

Eine bessere Therapietreue wurde angegeben, wenn die Teilnehmer das Gefühl hatten, dass die Notwendigkeit der Prophylaxe wichtiger ist als ihre Bedenken. Auch eine positive Erwartungshaltung zur Effektivität, eine gute soziale Unterstützung und eine stärkere emotionale Bindung gegenüber der eigenen Erkrankung trugen ebenso zur Therapietreue bei.

Die Befunde zeigten, dass die Therapietreue allgemein gut ist, urteilen die Wissenschaftler um Sandra B. van Os von der University of Hertfordshire in Hatfield. Um zu erkennen, welcher Patient voraussichtlich nicht therapietreu sein wird, könne es hilfreich sein, sich seine Ansichten über die Krankheit und ihre Behandlung, seine soziale Unterstützung und seine Erwartung an das Behandlungsergebnis genauer anzuschauen.

Maßnahmen zur Verbesserung der Therapietreue sollten sich insbesondere auf die Stärkung der sozialen Unterstützung konzentrieren und die Bedenken der Patienten bezüglich der Prophylaxe reduzieren. Zudem sollten sie ihren Glauben an die Notwendigkeit der Prophylaxe stärken und positive Erwartungen an das Behandlungsergebnis steigern.

Quelle: PLoS One. 2017 Jan 19;12(1):e0169880. doi: 10.1371/journal.pone.0169880. eCollection 2017. dx.doi.org/ 10.1371/journal.pone.0169880