Viele Hämophilie-Patienten erhalten ihre Faktor-Präparate über einen Venenkatheter. Nun haben Wissenschaftler der Johns Hopkins University School of Medicine herausgefunden, dass eine Chemikalie, die in medizinischen Hilfsmitteln aus Kunststoff enthalten ist, die Herzfunktion bei Ratten beeinträchtigen kann. Allerdings sei dies kein Grund, dass Patienten eigenmächtig auf die Nutzung solcher Hilfsmittel verzichten, warnen die Forscher.

Allerdings erklärten die neuen Erkenntnisse, die im American Journal of Physiology erscheinen, möglicherweise einige der häufigen Nebenwirkungen von medizinischen Prozeduren wie Bypassoperationen oder Dialyse, bei denen Blut durch Plastikschläuche außerhalb des Körpers zirkuliert, erklären die Wissenschaftler weiter. Hierbei treten häufig Symptome wie Verlust des Geschmacksinns oder des Kurzzeitgedächtnisses auf.

Auslöser für seine Suche nach dem Grund für den Verlust des Geschmacksinns sei seine eigene Erfahrung nach einer Bypassoperation gewesen, berichtet Artin Shoukas, Professor für biomedizinisches Engineering, Physiologie and Anästhesie am Johns Hopkins. "Ich bin schokoladensüchtig, und nach meiner OP schmeckte Schokolade über Monate hinweg nach Kohle."

Shoukas und ein Mitarbeiter vermuteten, dass der Auslöser für diese Nebenwirkung eine chemische Substanz sein müsste. Sie nahmen deshalb Flüssigkeitsproben aus Infusionsbeuteln und Bypassmaschinen und analysierten die Inhaltsstoffe. Dabei fanden sie die Substanz Cyclohexanon, die ihrer Meinung nach aus Kunststoff ausgetreten war. Und obwohl die Cyclohexanon-Konzentrationen, die sie in verschiedenen Hilfsmitteln fanden, deutlich variierten, enthielten alle Proben zumindest nachweisbare Mengen der Chemikalie.

Injizierten die Forscher Ratten Kochsalzlösung mit Cyclohexanon, zeigten die Versuchstiere einen Blutfluss von nur 150 ml pro Herzschlag und eine mittlere Pulsrate von 287 Schlägen pro Minute. Bei Kontrolltieren, die nur eine Kochsalzinjektion erhalten hatten, pumpte das Herz 200 ml Blut pro Herzschlag durch den Körper und schlug 358-mal pro Minute. Außerdem zeigten die mit Cyclohexanon behandelten Tiere bis zu 50 Prozent schwächere Herzkontraktionen.

Unabhängig von diesen Ergebnissen sollten Patienten die Anweisungen ihrer Ärzte aber genau befolgen, betonen die Wissenschaftler. "Wir würden niemals fordern, die entsprechende Behandlung abzubrechen. Im Gegenteil – solche Technologien sind lebensrettend und ihre Vorteile überwiegen die Risiken der Nebenwirkungen bei weitem. Als Wissenschaftler sind wir einfach daran interessiert, zu verstehen, wie diese Nebenwirkungen entstehen und wie sie am besten gemildert oder gar abgestellt werden können."

Quelle: Am J Physiol Heart Circ Physiol, Mai 2009; doi:10.1152/ajpheart.00184.2009