Wissenschaftler um B. Schneider von der Universität Bonn haben in plasmatischen FVIII-Konzentraten DNS des humanen Parvovirus PARV4 entdeckt. Dieser erst in den vergangenen Jahren entdeckte Virus kann beim Menschen zu Fieber und Abgeschlagenheit führen.

Identifiziert worden sei PARV4 in einer Plasmaprobe eines Patienten, der sich mit Symptomen ähnlich denen einer akuten HIV-Infektion vorstellte, schreiben die Forscher. Weitere Stämme von PARV4 und solche einer eng verwandten Virus-Variante seien in Plasmapools identifiziert worden, die zur Herstellung von Blutderivaten verwendet werden.

Die Analyse der DNS-Sequenz dieser Stämme ergab zwei unterschiedliche PARV4-Genotypen, also genetisch etwas unterschiedliche Viren. Da die Annahme besteht, dass die Übertragung von PARV4 nicht über den Verdauungstrakt erfolgt, untersuchte das Forscherteam 169 Chargen plasmatischer FVIII-Produkte mit der Polymerase-Kettenreaktion (PCR).

Davon wurden 21 Chargen, die für acht verschiedene Produkte standen, vor dem Beginn der 1980er Jahre eingesetzt und waren nicht virusinaktiviert. Zwei Chargen wurden im Jahr 1997 eingesetzt und 146 Chargen – die für 13 Produkte standen – waren zwischen Oktober 2000 und Februar 2003 verabreicht worden.

Wie die Ergebnisse zeigen, die am 16. Juni online in der Fachzeitschrift Haemophilia erschienen sind, wurde Erbgut von PARV4 in sieben (33 Prozent) der früher verabreichten Chargen gefunden, in einer Charge aus 1997 und in 13 (neun Prozent) der kürzlich verwendeten Chargen. Dabei waren die älteren Konzentrate stärker mit dem Virus belastet.

Weitere Studien seien nötig, um zu zeigen, ob die PARV4-Kontamination der Gerinnungsfaktoren den Empfängern der Produkte schadet oder nicht, empfehlen die Wissenschaftler.

Quelle: Haemophilia. 2008 Jun 18. [Epub ahead of print]

MedCon AG