PARKVILLE (BIERMANN) – Dank der modernen Therapie werden hämophile Menschen immer älter. Allerdings werden natürlich auch sie nicht von den Problemen des Alters verschont. Dazu zählt das mit dem Alter steigende Sturzrisiko. Stürze im hohen Alter können schnell zu einer Oberschenkelhalsfraktur und damit nicht selten zu Pflegebedürftigkeit führen.

Gründe genug für ein Forscherteam um Marcia Fearn vom National Ageing Research Institute in Parkville, Australien, um sich einmal dieser Thematik zu widmen, die bei hämophilen Menschen bislang wenig untersucht wurde. Der Hauptfokus der physischen Leistungsfähigkeit bei Menschen mit Hämophilie lag bislang auf der Funktion, Muskelkraft und Gelenkflexibilität.

Doch es gibt Anlass zu der Vermutung, dass die hämophile Arthropathie ebenso wie Arthrose das Sturzrisiko erhöht. So hat etwa eine Studie gezeigt, dass es Menschen mit schmerzhafter Arthrose in den Knien zu 37 Prozent schlechter gelingt, einem Hindernis auszuweichen.

Daher bestand das Ziel dieser aktuellen Studie darin, die Balance und die damit verbundene Leistungsfähigkeit bei 20 Männern mit Hämophilie im Vergleich zu gesunden Männern gleichen Alters zu untersuchen (19 mit Hämophilie A, 1 mit Hämophilie B). Von den hämophilen Teilnehmern wiesen 70 Prozent eine schwere, 20 Prozent eine mäßig schwere und zehn Prozent eine leichte Hämophilie auf. Keiner der Teilnehmer hatte Inhibitoren. 35 Prozent wurden prophylaktisch behandelt, 65 Prozent bei Bedarf.

Alle Männer absolvierten 1,5 bis 2 Stunden lang Tests zum Gleichgewicht im Gehen und Stehen, Mobilität, Kraft, körperlicher Aktivität und der so genannten sturzassoziierten Selbstwirksamkeit, die Auskunft über die Angst vor Stürzen gibt. Das Durchschnittsalter lag in beiden Gruppen im Schnitt bei 39 bis 40 Jahren.

Die Hälfte der hämophilen Männer gab an, in den vergangenen 12 Monaten gestürzt zu sein, davon jeder dritte mehr als einmal. Die Stürze passierten zu 80 Prozent drinnen, meist waren Hindernisse daran beteiligt.

Bei ihren Tests stellten die Wissenschaftler eine mäßige Beeinträchtigung der Balance und der damit verbundenen anderen Maße bei den hämophilen Männern fest. Der Unterschied zur Kontrollgruppe betrug im Schnitt 35 Prozent. Ärzte sollten diesen Punkten Beachtung schenken, wenn sie Erwachsene mit Hämophilie untersuchen, empfehlen die Autoren.

Glücklicherweise lässt sich die Balance gezielt trainieren: Betroffene können gemeinsam mit ihrem Physiotherapeuten oder Fitnesstrainer ein entsprechendes Programm zusammenstellen, um so ihr Sturzrisiko zu minimieren.

Quelle: Haemophilia (2010), online erschienen am 16. März