UTRECHT (BIERMANN) – Blutplättchen (Thrombozyten) haben offenbar einen Einfluss auf den Schweregrad der Blutungsneigung bei Hämophilie A, wie niederländische Forscher jetzt berichten.

In einer Querschnittsstudie untersuchten Ester van Bladel und ihre Kollegen vom Medizinischen Zentrum der Universität Utrecht den Status der Blutplättchen-Aktivität im Verhältnis zur Restaktivität des Faktors VIII.

An dieser Studie nahmen insgesamt 55 Personen teil: 21 hatten eine schwache bis mäßige Hämophilie, 13 eine schwere. Als Kontrollpersonen dienten 21 gesunde Teilnehmer. Bei Patienten mit schwerer Hämophilie (mit einer Restaktivität des Faktors VIII von unter einem Prozent) wurde der Verbrauch von Faktorpräparat mitberücksichtigt.

Das Grundniveau der Blutplättchen-Aktivität und die Empfänglichkeit der Blutplättchen für eine Aktivierung oder Hemmung wurde anhand der Expression von P-Selectin und von bestimmten Markern im Blut gemessen. P-Selectin ist ein Glykoprotein in der Plasmamembran von Blutplättchen.

Patienten mit schwerer Hämophilie zeigten einen höheren Grundlevel an aktivierten Thrombozyten (15,9 Prozent) – im Vergleich zu Patienten mit mittelschwerer hämophilie (8,2 Prozent, P=0,014) und den gesunden Kontrollpersonen (6,4 Prozent, P<0,001). Unabhängig von der Bluterintensität hatten beide Gruppen höhere Level von löslichen Markern für aktivierte Blutplättchen im Vergleich zu der Kontrollgruppe. Außerdem fanden die Forscher einen klinischen Beweis dafür, dass eine höhere P-Selectin-Expression bei den Patienten mit schwerer Hämophilie A mit einem reduzierten Verbrauch von Faktorpräparat verbunden ist (P=0,043). Diese Ergebnisse zeigen, dass die Thrombozyten bei schwerer Hämophilie A in einem präaktiven Zustand verharren und dass der Anteil von Blutplättchen im präaktiven Zustand mit dem Verbrauch von Faktorpräparat assoziiert ist. Quelle: Haematologica, 21. März 2011