Ob ein hämophiler Patient Inhibitoren entwickelt oder nicht, hängt einer neuen US-Studie zufolge von verschiedenen Faktoren ab. So hatten Patienten, die besonders stark plasmatischem FVIII ausgesetzt waren, Blutungen im zentralen Nervensystem aufwiesen (ZNS) oder afroamerikanischer Herkunft waren, ein erhöhtes Risiko für Inhibitoren.

Auch die Art der Mutation im Gen für Faktor VIII spielte eine Rolle: eine niedrige Frequenz von sogenannten Missense-Mutationen erhöhte das Risiko.

Die Wissenschaftler um Margaret V. Ragni vom Hemophilia Center of Western Pennsylvania der University of Pittsburgh untersuchten für ihre Studie 20 Hämophilie A-Patienten mit Inhibitoren und 57 Hämophilie A-Patienten ohne Inhibitoren. Dabei handelte es sich um Untergruppen der größeren "Hemophilia Malignancy Study".

25 Prozent der Patienten mit Inhibitoren waren Afroamerikaner, bei den Kontrollen nur 3,5 Prozent. Ausgehend von der Zahl der Einheiten pro Behandlung und der Zahl der Behandlungen, waren die Patienten mit Inhibitoren stärker Plasmaprodukten mit FVIII ausgesetzt gewesen (455 gegenüber 200 U pro Exposition).

Sieben der Patienten mit Inhibitoren (35 Prozent) und einer aus der Kontrollgruppe (1,7 Prozent) ohne Inhibitoren erlitten ZNS-Blutungen. Das führte zu drei von acht Todesfällen in der Inhibitorgruppe und zu einem von 22 in der Gruppe ohne Inhibitoren. Diese ZNS-Blutungen und ihre fatalen Folgen unterstreichen nach Ansicht von Dr. Ragni einmal mehr den Nutzen der frühen Prophylaxe, die heute den Versorgungsstandard bildet.

Die Analyse der mutierten Faktor VIII-Gene anhand der Patienten aus der ursprünglichen "Hemophilia Malignancy Study" ergab, dass die Wahrscheinlichkeit für Inhibitoren bei Patienten mit Missense-Mutationen gering war: Solche Mutationen wurden in nur 3,1 Prozent von 65 Patienten mit Inhibitoren gefunden, aber bei 26,0 Prozent der 119 Patienten ohne Inhibitoren. Der Genotyp hing nicht mit der Hautfarbe zusammen.

Ferner stellten die Autoren fest, dass es bei der gegen die Inhibitoren gerichteten Behandlung auf den maximalen Titer der Inhibitoren ankommt, nicht auf die Dosis, die zur Toleranzinduktion eingesetzt wird. Dieser maximale Titer sagt die Zeit bis zur Toleranz voraus. So betrug die Zeit bis zur Immuntoleranz bei Titern unter 120 BU/ml sechs Monate, ab diesem Wert aber 16 Monate. Niedrigere Dosen zur Toleranzinduktion erreichten dabei eine Toleranz genauso schnell wie höhere Dosen.

Quelle: Haemophilia 2009;15:1074-1082.