KONYA (BIERMANN) – Erstmals ist bei einem Patienten mit Hämophilie A, der zugleich Inhibitoren aufwies, eine Bauchfelldialyse (Peritonealdialyse) gelungen.

Chronische Nierenerkrankungen und der Bedarf an Dialyse seien bei hämophilen Patienten relativ selten, schreibt ein türkisches Medizinerteam um Y. Solak von der Universität Konya in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift Peritoneal Dialysis International. Erfolgreiche Anwendungen von Hämo- und Peritonealdialyse seien in der Literatur beschrieben worden.

Der Patient, der sich bei den Autoren vorstellte, war allerdings besonders schwierig zu behandeln: Er hatte zusätzlich einen Inhibitor, Magen-Darm-Blutungen und eine Harnvergiftung (Urämie), die durch harnpflichtige Substanzen im Blut oberhalb der Normwerte entsteht. Außerdem hatte er Nierensteine und spritzte sich Faktor VIII nicht regelmäßig.

Da die Urämie möglicherweise zu den Blutungen beitrug, wählten die Wissenschaftler als Behandlungsoption eine Dialyse samt Faktor VIII-Supplementierung.

Der Faktor VIII-Spiegel habe dann 4 Prozent betragen und die Inhibitor-Titer 5 Bethesda-Einheiten. Um den Inhibitor zu umgehen, setzten die Autoren zusätzlich Faktor VIIa und Prothrombinkomplexkonzentrat (PPSB) ein.

Nachdem die Blutung gestillt war, legten sie unter Infusion von PPSB einen Katheter für die Bauchfelldialyse. Dabei beobachteten sie keinerlei Komplikationen.

Quelle: Perit Dial Int. 2010; 30 (1): 114-6.