Die IGH weist darauf hin, dass die Johanniter Unfall-Hilfe e.V. für ihre Mitglieder einen Auslandsrückholdienst anbietet, der auch chronische Vorerkrankungen umfasst, wenn sich die Vorerkrankung im Urlaub so verschlimmert, als handle es sich um eine Neuerkrankung.

Waren die Hämophilie, das von Willebrand-Jürgens-Syndrom und andere angeborene Blutungskrankheiten bis vor wenigen Jahren noch mit schwersten Gelenksveränderungen bis hin zu Verkrüppelungen und mit sozialer Ausgrenzung der betroffenen Menschen verbunden, können die Patienten heutzutage dank moderner Behandlungsmöglichkeiten nahezu das Leben von blutgesunden Menschen führen. Hierzu gehört insbesondere auch die Möglichkeit von Reisen, auch in das Ausland.

Bei dem Versuch, diese Auslandsreisen durch den Abschluss einer privaten Krankenversicherung mit Rückholversicherung abzusichern, stoßen die betroffenen Patienten ausnahmslos auf Ablehnung bei den Versicherungsgesellschaften mit dem Hinweis, dass chronische Erkrankungen, die vor Antritt der Urlaubsreise bekannt sind, grundsätzlich nicht versicherbar sind.

Zwar gibt es im 5. Buch des Sozialgesetzbuches im § 18 eine gesetzliche Regelung zur Kostenübernahme bei Behandlung außerhalb des Geltungsbereiches des Vertrages zur Gründung der Europäischen Gemeinschaft und des Abkommens über den Europäischen Wirtschaftsraum, keinesfalls ist hier aber eine medizinisch notwendige Rückholung der Patienten geregelt. Rückfragen bei den gesetzlichen Krankenversicherungen ergeben, dass die betroffenen Patienten dieses Risiko mit dem Abschluss einer privaten Versicherung abdecken müssten, private Versicherer lehnen chronisch kranke Patienten jedoch ab.

Wie die IGH nun mitteilt, bietet die Johanniter-Unfallhilfe e.V. für ihre Mitglieder zu einem akzeptablen Jahresbeitrag eine Rückholversicherung ohne Gesundheitsfragen an, unbeschadet von Vorerkrankungen bzw. vorliegender gesundheitlicher Beeinträchtigungen.

Das Vorliegen der Grunderkrankung Hämophilie wurde bei Antragstellung ausdrücklich erwähnt, diese bedeute aber kein Ausschlusskriterium.

Im Weiteren:

Die Mitglieder der Johanniter Unfall-Hilfe e.V. schließen individuell mit dem Verband Fördermitgliedschaftsverträge ab. Der Jahresfördermindestbeitrag, ab dem der Anspruch auf den Auslandsrückholdienst zum Tragen kommt, beträgt zur Zeit 24,00 Euro pro Jahr – nach oben ist der persönlichen Großzügigkeit natürlich keine Grenze gesetzt. In der Anlage listen wir die Punkte in Kurzfassung auf, die bei der Inanspruchnahme des Dienstes gegeben sein sollten. Dieser Liste ist zu entnehmen, dass weder eine Vorerkrankungsausschlussklausel noch eine Altersbegrenzungsklausel angewendet wird.

Wenn also eine chronische Vorerkrankung dem Antritt der Reise (ggf. nach Rücksprache mit dem behandelnden Arzt) nicht entgegensteht, so wird eine im Urlaub auftretende Exazerbation dieser Erkrankung wie eine unverhoffte Neuerkrankung behandelt. Unter Exazerbation versteht man die deutliche Verschlimmerung der Symptome einer bereits bestehenden, in der Regel chronischen Erkrankung.

Liste der wichtigsten Punkte, die zur Inanspruchnahme des Auslandsrückholdienstservice der Johanniter-Unfall-Hilfe e.V. berechtigen:

  1. Sie oder Ihr Ehegatte (seit 1999 alternativ auch der in der gleichen Wohnung gemeldete Lebensgefährte) sind Fördermitglied der Johanniter. Eingeschlossen in den Rückholschutz sind auch die kindergeldberechtigten Kinder.
  2. Ihr Familienwohnsitz befindet sich im Inland.
  3. Der Jahresförderbeitrag ist entrichtet bzw. die Abbuchungsermächtigung hierzu ist unterschrieben.
  4. Die Erkrankung ist im Ausland unverhofft aufgetreten. Sie sind nicht mit der Absicht ins Ausland gereist, sich dort medizinisch behandeln zu lassen (z.B. Herzoperation in der Mayo-Klinik).
  5. Sie sind auf Ihrer Auslandsreise nicht länger als drei Monate unterwegs.
  6. Sie fordern die Rückholung nur in der Zentrale in Köln (Rufnummer: 0049-221-89-1033) an, (Sonderregelungen bei Vorliegen mehrfachen Rückholschutzes).
  7. Sie lassen uns alle Informationen zukommen, die es uns ermöglichen, mit Ihren, Sie im Gastland behandelnden Ärzten zu sprechen (Mitwirkungspflicht).
  8. Die medizinische Versorgung im Gastland ist deutlich schlechter als die in Deutschland (inadäquate Behandlungsmöglichkeit = medizinische Indikation) oder die voraussichtliche stationäre Behandlung wird 14 Tage oder länger betragen (= soziale Indikation). Liegen beide Gründe in konkreter Form so nicht vor und Sie können trotzdem nicht ohne fremde Hilfe das Gastland verlassen, z.B. bei einem primär gipsversorgten Arm- und Beinbruch ohne weitere stationäre Behandlungspflicht, dann fällt ein solcher Sachverhalt ebenfalls unter die Rubrik soziale Indikation und wird zu einer Rückholung führen.
  9. Sie befinden nicht in einem Krisen- oder Kriegsgebiet. Was als Krisengebiet zu gelten hat, wird durch die täglich aktualisierten Veröffentlichungen des Auswärtigen Amtes bekannt gegeben. In diesen Fällen kann eine Rückholung nur aus einem befriedeten Nachbarland heraus erfolgen.

Es gibt bislang (Stand April 2008) keine Informationen von anderen Organisationen wie z.B. Malteser oder ähnliche vorliegen und können deshalb an dieser Stelle nur über den Auslandsrückholdienst der Johanniter-Unfall-Hilfe berichten.

Quelle: www.igh.info