Die Primärprophylaxe für schwer hämophile Kinder ist mittlerweile gut etabliert und gilt als die empfohlene Versorgungsmethode. Zum Nutzen einer Sekundärprophylaxe, die erst im Jugend- oder Erwachsenenalter begonnen wird, gab es bislang hingegen weniger Studien.

Daher untersuchten Wissenschaftler um Dr. Annarita Tagliaferri vom Universitätsklinikum Parma und ihre Kollegen in einer rückblickenden Beobachtungsstudie, wie sich bei 84 hämophilen Patienten mit häufigen Blutungen die Umstellung der Behandlung nach Bedarf auf die Sekundärprophylaxe auswirkte.

Von den Patienten, die an einem von zehn italienischen Zentren versorgt wurden, stellten 30 die Behandlung als Jugendliche und 54 im Erwachsenenalter um.

Wie die Auswertung zeigte, reduzierte die Prophylaxe die durchschnittliche Zahl der Blutungen insgesamt von 35,8 auf 4,2 und die der Gelenksblutungen von 32,4 auf 3,3. Auch die Zahl der Fehltage am Arbeitsplatz bzw. in der Schule ging drastisch von 34,6 auf 3,9 zurück.

Bei den Jugendlichen, nicht aber den Erwachsenen, wurde mit der Prophylaxe auch ein statistisch signifikanter Rückgang des orthopädischen Punktwerts beobachtet.

"Die Patienten benutzten mehr Faktorkonzentrat mit entsprechend höheren Kosten bei der Prophylaxe, erfuhren aber eine bessere Lebensqualität", unterstreichen die Wissenschaftler in ihrem Artikel, der am 5. Juni online in der Fachzeitschrift Haemophilia erschienen ist.

In Bezug auf die Behandlung nach Bedarf seien der höhere Faktorverbrauch und die Kosten für die Sekundärprophylaxe aufgewogen worden durch die merklichen klinischen Vorteile und ein größeres Wohlbefinden in dieser Gruppe jugendlicher/erwachsener Hämophiler, ergänzen sie.

Quelle: Haemophilia. 2008 Jun 5 [Epub ahead of print]

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