Werden bei Patienten mit Hämophilie oder Von-Willebrand-Erkrankung (VWD) Eingriffe am Herz oder an den Gefäßen nötig, scheint die Kombination aus Faktor-Ersatztherapie und Antithrombotika oder Antikoagulanzien eine sichere Strategie zu sein – trotz häufiger leichterer Blutungen.

Das zeigt eine aktuelle deutsche Studie, die rückblickend solche Eingriffe auswertete. Die Autoren stellten sie im Februar in Wien beim Jahreskongress der Gesellschaft für Thrombose- und Hämostase-Forschung (GTH) vor. Schwere Blutungen traten vor allem bei Patienten auf, die Antithrombotika erhielten, aber nicht gleichzeitig eine Faktor-Ersatztherapie.

Hintergrund der Studie war, dass es zum Management von Eingriffen an Herz und Gefäßen bei Hämophilie oder VWD bislang nur wenige Fallberichte gibt. Daher analysierten die Wissenschaftler um A. Tiede von der Medizinischen Hochschule Hannover die Daten von Patienten mit Hämophilie oder VWD, die sich einer Koronarangiographie, einer perkutanen Koronarintervention oder einer Herz-OP mit Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine unterzogen.

Insgesamt seien 39 Eingriffe bei 28 Patienten untersucht worden, die im Schnitt eine Faktoraktivität von etwa 3 IU/dl (Spanne:<1-35) hatten, schreiben die Forscher.

Die elf Patienten mit Koronarangiographie erhielten etwa zwei Tage lang (Spanne: 1-15) eine Ersatztherapie. Eine leichtere Blutung an der Punktionsstelle trat bei fünf Patienten auf.

Die 18 Patienten, die sich einer perkutanen Koronarintervention unterzogen, erhielten im Schnitt vier Tage lang eine Faktor-Ersatztherapie (Spanne: 1-41). Dabei erlitten 15 Patienten leichtere Blutungen an der Punktionsstelle, bei einem war es eine schwerere.

"Von 14 Patienten, die reine Metallstents erhielten, nahmen 12 vier bis sechs Wochen lang Aspirin/Clopidogrel ein", schildert das Team um Tiede. "Sieben davon – darunter alle mit schwerer Hämophilie – erhielten eine prophylaktische Faktor-Ersatztherapie." Dabei wurden keine Nebenwirkungen an Herz und Gefäßen beobachtet.

Die zehn Patienten, die am Herzen operiert wurden, erhielten im Schnitt 23 Tage (Spanne: 11-46) lang eine Ersatztherapie und während des Anschlusses an die Herz-Lungen-Maschine unfraktioniertes Heparin. Dem Bericht zufolge traten bei acht Patienten leichtere Blutungen an der Wunde auf, vier Patienten erhielten eine Transfusion.

Quelle: GTH-Jahrestagung 2009, Abstractband S. 38, PP3.1-3