Der Weg zur Stammzelltherapie könnte sich als schwieriger erweisen, als bislang angenommen, warnt Nobelpreisträger Mario Capecchi in der Zeitschrift Nature Genetics. Das Problem: Die so genannten adulten Stammzellen – unspezialisierte Vorläuferzellen, die für die Regeneration und Reparatur von Organen zuständig sind – scheinen deutlich vielfältiger zu sein als bisher angenommen.

So gibt es etwa im Darm nicht nur eine, sondern mehrere Arten dieser vielseitigen Zellen, hat Capecchi zusammen mit Kollegen bei Mäusen entdeckt. Er hält es durchaus für möglich, dass das auch für andere Organe gilt. Sollte sich diese Vermutung bestätigen, wäre die Entwicklung einer Therapie mit adulten Stammzellen sehr viel komplizierter als erwartet.

Obwohl es im Körper also eine Reihe verschiedener Stammzellarten gibt, waren Wissenschaftler bisher der Ansicht, dass pro Organ oder Gewebe lediglich eine einzige Sorte existiert. Genau daran werfen nun die Ergebnisse von Capecchi Zweifel auf. Der Genetiker hatte mit Hilfe eines ausgeklügelten Systems ein bestimmtes, stammzelltypisches Gen im Dünndarm von Mäusen aktiviert und mit einem Farbstoff markiert.

Die anschließende Analyse zeigte überraschenderweise jedoch keine gleichmäßige Verteilung der Markierungen im Darm. Vielmehr kamen die Zellen, die das markierte Gen enthielten, fast ausschließlich in den ersten zehn Zentimetern des Darms vor. Da sich jedoch die gesamte Schleimhaut des Darms innerhalb von zwei bis fünf Tagen erneuert, muss es im mittleren und unteren Teil mindestens eine weitere Stammzellvariante geben, die für die Regeneration zuständig ist, so Capecchis Schlussfolgerung.

Sollte tatsächlich mehr als eine Stammzellart nötig sein, um eine funktionierende Darmschleimhaut aufzubauen, hätte das auch Konsequenzen für die Entwicklung potenzieller Stammzelltherapien. Ob diese Komplexität auch beim Menschen zu erwarten ist, kann Capecchi noch nicht sagen – man wisse bisher einfach zu wenig. "Adulte Stammzellen sind immer noch eine riesige Blackbox", resümiert er.

Quelle: Wissenschaft.de; Nature Genetics, Online-Vorabveröffentlichung, DOI: 10.1038/ng165

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