Albumin- und plasmafreier Faktor VIII ist zur Prophylaxe bei schwerer Hämophilie genauso wirksam wie andere Faktorpräparate. Dies ist das Ergebnis einer neuen Studie aus den Niederlanden, die am 4. August online in der Fachzeitschrift Haemophilia erschienen ist.

Derzeit werde ein neues Faktorpräparat vor allem anhand seiner Fähigkeit beurteilt, nach einer Blutungsepisode eine Blutstillung zu erreichen, schildert das niederländische Forscherteam um Ingrid den Uijl von der Van Creveldkliniek in Utrecht.

"Bei Patienten unter Prophylaxe ist jedoch die Wirksamkeit bei der Vorbeugung von Blutungen – und damit von Gelenkschäden – das wichtigste", betonen die Wissenschaftler.

Im Jahr 2004 wurde in den Niederlanden ein plasma- und albuminfreies Präparat mit rekombinantem Faktor VIII (rAHF-PFM, Advate®) eingeführt. Um seine Wirksamkeit zu beurteilen, verglichen die Forscher Blutungshäufigkeit und Faktorverbrauch vor und nach der Umstellung auf das neue Produkt – sowohl bei der Prophylaxe als auch der Behandlung nach Bedarf.

Dazu schlossen Ingrid den Uijl und ihre Mitarbeiter 82 zuvor bereits behandelte Patienten, die mindestens über ein Jahr beobachtet worden waren, in ihre Studie ein. Sie analysierten Daten zu 410 Patienten-Jahren: 165 Patienten-Jahre unter anderen Gerinnungsfaktorprodukten und 245 unter dem neuen Präparat.

Die Auswertung ergab, dass insgesamt 19.628.368 IE der anderen Gerinnungsfaktorprodukte verabreicht wurden, um 839 Blutungen zu behandeln – darunter 578 Gelenkblutungen – und 104 Jahre mit Prophylaxe abzudecken.

Beim rAHF-PFM wurden 33.082.250 IE Faktor VIII eingesetzt um 1144 Blutungen zu behandeln – darunter 734 Gelenkblutungen – und 175 Jahre mit Prophylaxe abzudecken. Dabei wurden weder Inhibitoren noch Serokonversionen oder andere schwere Nebenwirkungen beobachtet.

"Der jährliche FVIII-Verbrauch pro kg und die jährliche Zahl der Gelenkblutungen vor und nach der Umstellung auf die neuen albuminfreien rekombinanten Faktorpräparate waren bei allen Patienten ähnlich", schlussfolgern die Forscher aus ihren Daten.

Quelle: Haemophilia, Early View, published online: 4. Aug 2009