Für Kindergärtner

Für Kindergärtner

Darauf müssen Kindergärtner achten

Hämophilie ist eine seltene Krankheit, daher bist Du in Deinem Alltag im Kindergarten vermutlich noch nicht oft oder nie damit konfrontiert worden. Wenn Du doch einmal einen hämophilen Jungen betreust und Fragen oder Unsicherheiten aufkommen, findest Du hier die wichtigsten Informationen.

Tipps zur guten Vorbereitung

  • Kommunikation: Eine offene, regelmäßige Absprache mit den Eltern ist unerlässlich. Sprich Dich nicht nur bei der Anmeldung, sondern während der gesamten Betreuungszeit des Kindes stets mit seinen Eltern ab. Zu Beginn sollten die wichtigsten Punkte geklärt und Vorkehrungen gemeinsam getroffen werden. Aber auch im Verlauf solltest Du nicht zögern, Dich mit Fragen oder Unklarheiten an die Eltern zu wenden.
  • Erreichbarkeit: Erkundige Dich bei den Eltern, wie schnell sie in einem Notfall im Kindergarten sein können. Insbesondere wenn sie das Faktorpräparat injizieren, sollten sie einen kurzen Weg von zu Hause oder der Arbeit haben. Vor allem aber musst Du sie jederzeit erreichen können.
  • Geduld: Stelle Dich auf eigene Unsicherheiten wie auch die Sorgen der Eltern ein. Besonders zu Beginn fällt es ihnen eventuell schwer, ihren Sohn in fremde Obhut zu geben, und sie erkundigen sich sehr häufig nach ihm. Daher ist es sehr wichtig, auch den Eltern ein Gefühl von Sicherheit zu vermitteln. Habe Geduld mit ihnen und Dir selbst, bis sich eine Routine entwickelt hat.
  • Flexibilität: Stelle Dich auf ungeplante Situationen ein, sowohl bei der Versorgung von Verletzungen als auch beim Zeitplan.
  • Kein Sonderstatus: Rechtlich gesehen müssen chronisch kranke Kinder in Erziehungseinrichtungen nicht anders behandelt werden als andere Kinder. Das sollte auch im sozialen Umgang gelten: Eine Sonderbehandlung oder übertriebene Vorsicht isolieren den Jungen vermutlich von den anderen Kindern. Achte darauf, dass er trotz seiner Krankheit in die Gruppe integriert ist.

Umgang mit Verletzungen

Im Kindergarten kann es beim Spielen und Toben schon einmal zu Verletzungen kommen. Kinder mit Hämophilie sollten zwar bei allem mitmachen dürfen, doch besteht für sie ein erhöhtes Blutungsrisiko. Besprich mit den Eltern, wie Du in einem Notfall vorgehen solltest. Besonders wichtig ist: Informiere die Eltern über jeden noch so kleinen Vorfall (Hinfallen, Stoßen, Schmerzen usw.) und beobachte den Jungen, wenn etwas passiert ist.

Du musst allerdings nicht bei jeder Verletzung sofort den Notarzt oder das Hämophilie-Zentrum benachrichtigen. Insbesondere wenn der Junge eine prophylaktische Faktorbehandlung erhält, bleibt noch genügend Zeit für die Versorgung und Verständigung. Harmlose Verletzungen kannst Du zunächst selbst versorgen. Konnte die Blutung nach ca. 15 Minuten nicht gestillt werden, solltest du jedoch die Eltern verständigen; sie müssen über die weiteren Schritte entscheiden.

Ein absoluter Notfall ist eine Kopfverletzung, z. B. durch einen Sturz. Denn dabei können lebensbedrohliche Hirnblutungen entstehen. In diesem Fall müssen sowohl die Eltern als auch der Notarzt immer sofort verständigt werden.

Außerdem solltest Du auf folgende Signale achten:

  • Schmerzen: Schmerzen sind ebenso Teil der Hämophilie-Erkrankung wie eine gestörte Blutgerinnung. Bei betroffenen Kindern muss also besonders auf Schmerzen geachtet werden, da sie auf eine Blutung hindeuten und von den Kindern eventuell nicht richtig eingeordnet werden können. Wenn der Junge also über Schmerzen klagt, frage ihn ganz genau, wo es wehtut.
  • Blutergüsse: Auch Blutergüsse deuten auf eine Blutung hin. Achte daher auf auffällige Blutergüsse, z. B. nach einem Zusammenstoß, und berichte den Eltern davon.
  • Anzeichen von Blutungen: Innere Blutungen, etwa in den Muskeln und/oder Gelenken, können sehr gefährlich sein, da sie nicht sofort auffallen; vor allem im Kontakt mit anderen Kindern können sie jedoch leicht entstehen. Sie treten meist im Ellbogen, Knie, um das Fußgelenk, in den Beinen, im Po und im Bauchraum auf. Sie äußern sich durch Schwellung, Erwärmung, Fehlhaltung des betroffenen Bereichs bzw. auffällige, ungleiche Bewegungen des Kindes.

Vorkehrungen im Kindergarten

  • Notfall-Nummern: Im Kindergarten müssen die Telefonnummern der Eltern (Festnetz und Handy), der Notfall-Ambulanz, des Hämophilie-Zentrums sowie ggf. des behandelnden Arztes hinterlegt sein. Bewahre diese Nummern am besten gut sichtbar in der Nähe des Telefons auf.
  • Erste-Hilfe-Kasten: Kleinere Verletzungen erfordern in der Regel keinen Notarzt, sondern können von den Erziehern mit Pflastern oder Verbänden versorgt werden. Dafür sollte stets ein vollständiger Erste-Hilfe-Kasten griffbereit sein.
  • Faktorpräparat: Das jeweilige Faktorpräparat des Kindes sollte für Notfälle auch immer im Kindergarten aufbewahrt werden. Behalte dabei das Verfallsdatum im Auge.
  • Hämophilie-Ausweis: Bitte die Eltern des Jungen um eine Kopie des Hämophilie-Ausweises. Auch im Kindergarten muss dieser im Notfall parat liegen. Der Hämophilie-Notfallausweis kann in unserem Servicebereich online erstellt und sofort ausgedruckt werden. Du kannst diesen Link an die Eltern weiterleiten, um den Ausweis möglichst schnell zu erhalten.
  • Leitfaden: Diese Anleitung hilft Dir, auch in einem Notfall oder einer hektischen Situation den Überblick zu behalten und das Kind richtig zu versorgen.
    Fülle das Dokument gemeinsam mit den Eltern aus und positioniere es mit den Notfall-Nummern an einem für alle Erzieher leicht zugänglichen Ort im Kindergarten.

Medikamente verabreichen?

Als Erzieher bist Du nicht verpflichtet, dem Jungen das Faktorpräparat zu spritzen. Wenn Du Dich dazu jedoch in der Lage fühlst, bitte die Eltern (oder eine medizinische Fachkraft), es Dir zu zeigen. Falls Du diese Aufgabe nicht übernehmen möchtest, müssen bei einer Verletzung unbedingt die Eltern und/oder der Notarzt benachrichtigt werden, um dem Kind den Gerinnungsfaktor zu verabreichen.

Der behandelnde Arzt legt fest, welches Schmerzmittel das Kind einnehmen kann. Denn nicht jedes Schmerzmittel verträgt sich mit jedem Faktorpräparat. Erkundige Dich daher unbedingt im Vorfeld bei den Eltern, welches Schmerzmittel ihrem Kind verschrieben worden ist.

Ausflüge: Planen und absprechen

Natürlich kann der Kindergarten auch Ausflüge oder ähnliche Aktivitäten unternehmen, wenn es einen Jungen mit Hämophilie in der Gruppe gibt – sie gehören schließlich zur Kinderbetreuung dazu. Allerdings solltest Du bei der Planung einige Dinge berücksichtigen: Achte darauf, dass die Aktivitäten ein möglichst geringes Risiko für Verletzungen oder Spontanblutungen bergen. Ansonsten sollte es für den Jungen eine Alternative bzw. für alle eine Auswahl geben, damit für ihn keine Ausnahme gemacht werden muss.

Informiere auf jeden Fall im Vorfeld die Eltern des Jungen über den geplanten Ausflug und sprich Dich mit ihnen ab. Am besten eignen sich Tage, an denen das Kind sein Faktorprärat erhält, da das Blutungsrisiko dann am geringsten ist. Eventuell möchte auch ein Elternteil als Begleitperson dabei sein.

Wichtig ist außerdem, bei jeder Unternehmung außerhalb des Kindergartens die Notfall-Nummern, den Hämophilie-Ausweis, die Krankenversicherungskarte sowie ggf. das Faktorprärat des Kindes mitzunehmen.