Notfall

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Notfallmaßnahmen und typische Verletzungen

Jungs im Grundschulalter sind nur schwer zu bändigen. Sie raufen, klettern auf Bäume und machen Wettrennen mit ihren Fahrrädern. Dabei verletzen sie sich hin und wieder. Auch wenn diese Verletzungen im Rahmen der ärztlich verordneten Therapie meist harmlos sind, sollten Eltern eines hämophilen Sohns auch auf Notfälle vorbereitet sein.

Halte dazu immer alle relevanten Notfallnummern bereit und lagere stets eine Notfalldosis des Faktorpräparats zu Hause. Wichtig ist auch, dass Dein Sohn immer seinen Notfall- bzw. Hämophilie-Ausweis bei sich trägt. Dieser enthält relevante Angaben zu seinem Gesundheitszustand. Im Notfall weiß der Notarzt sofort, wie er Deinen Sohn behandeln muss. Weitere Tipps findest Du hier.

In unserem Servicebereich kannst Du den Notfallausweis auch downloaden und bequem zu Hause ausdrucken.

Vorkehrungen in der Schule

Die Schule Deines Kindes sollte über die Hämophilie informiert sein. Besprich mit den Lehrern, bei welchen Vorkommnissen und Verletzungen Du sofort kontaktiert werden möchtest. Weitere Maßnahmen sind:

  • Hinterlege alle Notfallnummern sowie Deine eigene Nummer, unter der Du stets zu erreichen bist.
  • Für den Notfall sollte ein Faktorkonzentrat in der Schule gelagert werden. So kann ein Notarzt das Präparat sofort verabreichen. Achte auf das Verfallsdatum.
  • Übergib der Schule eine Kopie des Notfallausweises zur Aufbewahrung für den Notfall.
  • Vor Ausflügen und Klassenfahren solltest Du stets Informationen über Hämophilie-Zentren in der Nähe des Aufenthaltsortes einholen. Teile den mitfahrenden Lehrern mit, wo und wie das nächstgelegene Hämophilie-Zentrum am besten zu erreichen ist.

Typische Verletzungen im Grundschulalter

Kinder können sich auf unterschiedlichste Weise verletzen. Während Kratzer und Schürfwunden äußerlich und daher gut sichtbar sind, werden Blutungen im Inneren des Körpers meist nicht sofort erkannt. Erkläre Deinem Sohn daher, wie wichtig es ist, dass er Dich bzw. eine andere Betreuungsperson sofort über Verletzungen und Unfälle informiert – auch wenn er lieber weiterspielen möchte oder Angst hat, dass er auf seine Freunde weinerlich wirkt.

Dein Sohn wird verstehen, dass eine schnelle Behandlung lebenswichtig sein kann. Vielleicht kannst Du Deinen Sohn auch mit diesem Argument überzeugen: Je eher er behandelt wird, desto früher kann er auch wieder mit seinen Freunden spielen – bei einer verspäteten Behandlung kann es hingegen sein, dass er sich für längere Zeit schonen und ausruhen muss.

Informiere Dich im Folgenden, welche Notfallmaßnahmen Du bei einigen typischen Verletzungen treffen kannst. Weitere Informationen zu Verletzungen findest Du hier.

Bitte beachte, dass die folgenden Symptome beispielhaft sind. Verletzungen und Blutungen können sich auch durch andere Beschwerden äußern. Bitte kontaktiere bei jedem Verdacht auf innere Blutungen umgehend den Hämophilie-Behandler.

Vorsicht bei Kopfverletzungen

Wenn Dein Kind auf den Kopf fällt oder sich stößt, solltest Du wachsam sein und beim geringsten Verdacht auf eine Hirnblutung den Arzt kontaktieren. Liegt eine Hirnblutung vor, muss sofort das Faktorkonzentrat gespritzt werden. Hinweise auf eine Hirnblutung können sein:

  • Anhaltende oder stärker werdende Kopfschmerzen
  • Schmerzender oder steifer Nacken
  • Bewusstlosigkeit (auch für sehr kurze Zeit)
  • Übelkeit und Erbrechen
  • Gleichgewichtsstörungen

Schürf- oder Schnittwunden

Diese Verletzungen gehören zum Alltag von Kindern und natürlich ihren Eltern. In der Regel sind sie harmlos und eine Faktorgabe ist meist nicht erforderlich. Grundsätzlich solltest Du Schürfwunden säubern, desinfizieren und mit einem Pflaster schützen. Bei kleineren Schnittverletzungen hilft ein Pflaster oder ein Druckverband.

Informiere den Arzt, wenn

  • es sich um eine tiefe Schnittverletzung handelt,
  • die Blutung nicht nachlässt.

Nasenbluten

Nasenbluten entsteht meist durch zu trockene Schleimhäute, Verletzungen der Schleimhäute durch Niesen, Nasenbohren oder als Folge einer Rauferei. So kannst Du Deinem Sohn helfen:

  • Bitte Deinen Sohn, den Kopf nach vorne zu beugen und das Blut nicht zu schlucken,
  • drücke mindestens 10 Minuten lang seinen Nasenflügel zu, um die Blutung zu stoppen,
  • lege Deinem Sohn ein kaltes Tuch in den Nacken.

Informiere den Arzt, wenn

  • die Blutung nach 20 Minuten nicht zum Stillstand gekommen ist,
  • Dein Sohn einen Schlag oder Stoß auf die Nase bekommen hat,
  • Dein Sohn häufig Nasenbluten hat.

Gelenk- oder Muskelblutungen

Gelenk- und Muskelblutungen sind nicht immer sichtbar. Achte grundsätzlich auf typische Hinweise, z. B.:

  • Belastet Dein Sohn ein Bein oder einen Arm mehr als den anderen?
  • Oder: Versucht Dein Sohn, die Belastung eines Armes oder Beines zu vermeiden?
  • Ist ein Gelenk geschwollen?
  • Fühlt sich ein Muskel hart oder geschwollen an?
  • Außerdem: Frage Deinen Sohn, ob er Schmerzen hat oder ein Kribbeln oder Wärme im Gelenk bzw. im Muskel verspürt.

Handelt es sich tatsächlich um eine Gelenk- oder Muskelblutung, sollte Dein Sohn zunächst das betroffene Bein oder den Arm hochlegen und ein Kühlkissen auf die Schwellung legen. Gelenk- und Muskelblutungen sollten schnell mit Faktor behandelt werden.

Lass Gelenk- und Muskelblutungen zeitnah ärztlich untersuchen und informiere den Arzt sofort, wenn Du unsicher bist, wie stark die Blutung ist.

Schaubild Gelenke

Notfälle und Verletzungen

Bei welchen Verletzungen sind medizinische Maßnahmen notwendig und was ist im Notfall, z. B. bei einem Unfall, zu tun? Mit der richtigen Vorbereitung fällt es Dir leichter, in Notsituationen schnell und bedacht zu reagieren.