Erziehung: Grundschulzeit

Erziehung: Grundschulzeit

Dein Kind wird selbstständiger

Mit der Einschulung tritt Dein Kind in einen neuen Lebensabschnitt ein. Als Schulkind ist Dein Sohn jetzt auch öfters ohne Dich unterwegs: Möglicherweise bewältigt er den Schulweg allein, besucht selbstständig Freunde oder ist mit einer Sportgruppe unterwegs.
Im Alter von 5 bis 6 Jahren entwickelt Dein Sohn auch verstärkt körperliche Fähigkeiten und Bedürfnisse. Damit steigt das Verletzungsrisiko. Fußballspielen, Rennen und die eigene Kraft auszutesten, gehört nun zum Alltag. Auch Dein Sohn möchte sich mit anderen Kindern messen und Anerkennung von Gleichaltrigen bekommen. Gerade im Alter zwischen 7 und 10 Jahren wird diese Form der Anerkennung immer wichtiger, da sie maßgeblich zur Entwicklung des Selbstbewusstseins beitragen kann.

Versuche daher, die Fähigkeiten Deines Sohnes anzuerkennen und zeige Deinen Stolz. Fordere ihn gleichzeitig auf, sich selbst Grenzen zu setzen. Nicht jede Mutprobe muss bewältigt werden – weder ohne und schon gar nicht mit Hämophilie. Informiere Mitschüler und Spielkameraden genauso wie Erzieher und Lehrer über die Blutgerinnungsstörung Deines Kindes.

Die in diesem Alter mit Vorliebe eingesetzten Fortbewegungsmittel sind Fahrrad, Inline-Skates oder Skateboard. Wenn Dein Sohn sich nicht mit einem Fahrrad begnügen will, mache ihm zur Bedingung, dass er ein Training für sicheren und risikobewussten Umgang mit Inline-Skates und Skateboard absolviert. Hier wird er u. a. auch erfahren, wieso das Tragen von Helm und Gelenkschützern sinnvoll ist und ihn nicht zum Außenseiter macht.

Verantwortung übernehmen

Dein Sohn entwickelt jetzt zunehmend seine kognitiven Fähigkeiten und versteht komplexere Zusammenhänge. Sprich mit ihm über verschiedene Aspekte seiner Erkrankung. Beantworte seine Fragen nach Möglichkeit oder kläre diese gemeinsam mit ihm beim Arzt.

Kinder beginnen ab etwa 10 Jahren zu begreifen, welche Zusammenhänge zwischen den Körperfunktionen bestehen. Sie verstehen die Aufgaben von roten und weißen Blutkörperchen und die Funktion von Blutplasma und Blutplättchen. Sie können nun über Gerinnungsfaktoren, den Ablauf der Blutgerinnung und die mit dem Faktormangel verbundene Hämophilie als Störung der Blutgerinnung sprechen.

Betone stets, dass Dein Sohn nicht krank ist, sondern dass seinem Blut ein wichtiger Bestandteil fehlt, der zu einer Gerinnungsstörung führt. Vergleiche ihn mit Kindern, die aufgrund eines Insulinmangels Diabetes haben und diesen Mangel auch durch Spritzen (von Insulin) ausgleichen müssen.

Je besser sich Dein Sohn mit der Erkrankung auskennt, umso höher sind die Chancen, dass er sich im Schulalltag verantwortungsbewusst verhält.

Vielleicht äußert er auch den Wunsch, sich sein Faktorpräparat selbst zu spritzen. Unterstütze dies und übt es gemeinsam. Auch mit Erste-Hilfe-Maßnahmen sollte sich Dein Sohn immer besser auskennen. Dann kann er selbstständig nach einem Kühlpad fragen und Dich informieren, wenn er sich z. B. bei einem Sturz eine Prellung zugezogen hat.