Herz- und Kreislauferkrankungen

Herzerkrankungen und Kreislauferkrankungen

Bluthochdruck, hoher Blutdruck und arterielle Hypertonie sind Begriffe für ein und dasselbe Krankheitsbild. Darunter wird die krankhafte Erhöhung des Blutdrucks über 140/90 mmHg in Ruhe verstanden.
Ein einmalig oder selten über diese Grenzwerte hinausgehender Blutdruck bedeutet aber noch nicht, dass eine Hochdruckerkrankung vorliegt. Man spricht erst dann von Bluthochdruck, wenn bei mehrfacher Messung der obere (systolische) Blutdruck gleich oder höher als 140 mmHg und/oder der untere (diastolische) Blutdruck gleich oder größer als 90 mmHg ist. Bluthochdruck könnte indiziert sein, wenn Ihre Druckwerte diese Grenze häufig überschreiten. Niedriger liegt die Grenze für Patienten mit Begleiterkrankungen.

Hypertonie gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen und ist damit eine Volkskrankheit. Experten schätzen, dass etwa 20 Millionen Menschen in Deutschland davon betroffen sind, somit etwa jeder vierte Erwachsene im Alter von über 40 Jahren. Die Dunkelziffer ist hoch, weil viele Betroffene nichts von ihren erhöhten Blutdruckwerten wissen. Tendenziell neigen Hämophile zu eher erhöhten Blutdruckwerten, lassen Sie deshalb bitte Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren.

Ein kleiner Exkurs: Der Blutdruck steigt mit zunehmendem Alter kontinuierlich. So leidet etwa jeder zweite Erwachsene über 70 Jahren unter hohem Blutdruck. Einer der Gründe dafür ist die mit dem Alter nachlassende Gefäßelastizität, d. h., die Anpassungsfähigkeit der Gefäße an den Blutdruck nimmt ab. Etwa ab dem 60./65. Lebensjahr steigt vor allem der systolische Blutdruck, während der diastolische Blutdruck weitgehend unverändert bleibt oder sogar sinkt. Der sich vergrößernde Unterschied zwischen beiden Blutdruckwerten heißt Pulsdruck, auch Pulsdifferenz oder Blutdruckamplitude genannt. Je höher der Pulsdruck, desto starrer sind die Blutgefäße. Bei Gesunden beträgt der Pulsdruck etwa 50 mmHg. Ein Pulsdruck über 65 mmHg bei ebenfalls erhöhtem systolischem Blutdruck muss behandelt werden. Im Alter sind der Pulsdruck und der systolische Wert bedeutsamer für die Entstehung von Komplikationen als der diastolische Wert.

Häufig verursacht Bluthochdruck keinerlei Beschwerden, sodass viele Menschen mit zu hohem Blutdruck gar nichts von ihrem Leiden wissen. Hätten Sie spontan gewusst, woran man erhöhten Bluthochdruck erkennen kann? Bevor die Aufregung Ihren Blutdruck steigen lässt, hier lieber gleich die Auflösung:

  • Kopfschmerzen (vor allem am frühen Morgen und dann besonders im Hinterkopfbereich)
  • Schwindelgefühle
  • Atemnot bei körperlicher Belastung
  • häufiges Nasenbluten und Sehstörungen

Diese Beschwerden sind recht unspezifisch und können auch andere Gründe haben. Es ist daher wichtig, dass Sie zum Arzt gehen, wenn diese Symptome mehrfach auftreten. Erst beim Arzt kann abgeklärt werden, ob wirklich ein Bluthochdruck vorliegt. Die Beschwerden lassen sich dann ggf. mit einer blutdrucksenkenden Therapie bessern.

Durch unbehandelten Bluthochdruck verursachte Organschäden betreffen in besonderer Weise das Gehirn, das Herz, die Gefäße und die Nieren. Dies gilt gleichermaßen für hämophile und nichthämophile Patienten. Im Einzelnen betrachtet schädigt unbehandelter hoher Blutdruck:

  • im Gehirn. Für das Gehirn und einen dortigen Schlaganfall ist die Hypertonie der wichtigste und häufigste Risikofaktor. Das gilt sowohl für den durch eine Mangeldurchblutung bedingten Schlaganfall als auch für die Gehirnblutung. Die Hypertonie erhöht das Schlaganfallrisiko etwa um das 4-fache.
  • im Herz. Ein über Jahre andauernder, nicht oder schlecht behandelter Blutdruck ist eine der häufigsten Ursachen für eine Herzschwäche. Denn je höher der Blutdruck ist, desto schwerer muss das Herz arbeiten, um Organe und Gewebe mit Blut zu versorgen. Wird diese Überlastung nicht beseitigt, verdickt sich im Laufe der Zeit die Wand der linken Herzkammer. Die Muskelmasse der linken Herzseite nimmt zu; damit versucht das Herz gegen den erhöhten Druck anzupumpen. Nach einer Kompensationsphase reagiert das Herz mit einem Nachlassen seiner Pumpleistung und es bildet sich schließlich eine Muskelschwäche der linken Herzseite aus. Atemnot und eine Leistungsminderung, besonders bei Belastung, zählen zu den üblichen Begleitbeschwerden. Dazu kommt die Gefahr eines Herzinfarktes durch die krankhaft verengten Herzkranzgefäße.
  • in den Nieren. Weniger bekannt ist sicherlich, dass Nierenerkrankungen und -versagen am häufigsten durch Bluthochdruck verursacht werden. Die Funktion der Nieren wird durch verengte Gefäße eingeschränkt bis hin zum vollständigen Versagen. Besonders gefährlich für die Nieren ist die Kombination von Bluthochdruck und Diabetes mellitus. In diesen Fällen ist der Blutdruck besonders aufmerksam zu behandeln.