Entwicklung der Hämophilie über die Lebenszeit

Entwicklung der Hämophilie über die Lebenszeit

„Je älter man wird, desto leichter verwechselt man erhöhten Blutdruck mit Leidenschaft.“ Wusste schon in der Mitte des letzten Jahrhunderts der erfolgreiche Komponist Friedrich Hollaender (1896-1976) zu attestieren. Auch Menschen mit Hämophilie werden immer öfter mit dem zweifelnden Herkunftsgefühl ob einer gerade erlebten „herbstlichen Wallung“ konfrontiert, da auch sie immer älter werden. Viele Faktoren haben Anteil an der deutlich gestiegenen durchschnittlichen Lebenserwartung für Menschen mit Hämophilie.

Aufgrund umfassender und sehr gut ausgebildeter Betreuung in den Hämophiliezentren sowie durch die wesentlich verbesserte Absicherung der Unbedenklichkeit von Faktor-Konzentraten und neuen Behandlungsstrategien für Hepatitis C und HIV erleben Männer mit Hämophilie heute die Freuden und Nöte des Alters hautnah – nämlich selbst. Auch wenn nun mancher Hämophile wohlig erlebt, dass der „Herbst im eigenen Garten auch schöne Tage kennt“, so erfordert dieser Garten auch im Alter mehr Pflege und Aufmerksamkeit, als das Grün eines nicht in dieser besonderen Weise erblich ungeschränkten älter werdenden Herrn. Wenn auch Sie noch öfter der Nachtigall im eigenen Gehölz lauschen wollen, dann gibt es ein paar Tipps, die, umgesetzt ins tägliche (Er)Leben, dabei helfen das Älter werden schmerzärmer und genussreicher erlebbar zu machen.

Machen Sie Ihren Hausarzt zu Ihrem besten Freund. Finden Sie einen guten Hausarzt und pflegen Sie ihn – auch mit regelmäßigen Kontrollbesuchen, bei denen er dann mit Routine-Checks ganz nebenbei feststellen kann, wie es um Ihre eigene Gesundheit bestellt ist. Zum Beispiel sollte die Kontrolle Ihrer Cholesterinwerte und die Umschau nach möglichen Krebserkrankungen zu einer wiederkehrenden Selbstverständlichkeit für Sie werden. Wenn es sich einrichten lässt, so vernetzen Sie Ihren Arzt eng mit Ihren Ansprechpartnern in Ihrem Hämophiliezentrum – der direkte Kontakt und Austausch zwischen den beiden für Sie wichtigen Institutionen ist einer der Eckpfeiler für einen medizinisch abgesicherten lebensfrohen Herbst.

Beobachten Sie Ihren Körper genau. Nein, nicht der Falten oder des Haarausfalls wegen, sondern wegen Symptomen, die frühzeitig bemerkt und besprochen dafür sorgen können, dass altersbedingte Erkrankungen behandelt werden können, bevor sie sich zu einem echten gesundheitlichen Problem mausern können. Deshalb: achten Sie bitte auf ungewöhnliche Blutungen. Blut im Urin oder im Stuhl kann bei Männern mit Hämophilie gelegentlich auftreten, aber diese Blutungen können auch die ersten Anzeichen einer altersbedingten, bösartigen Veränderung in Ihrem Körper sein – Darmkrebs wäre ein Beispiel für solch eine mögliche Veränderung. Bedenken Sie bitte immer, dass viele krankhafte Veränderungen leichter und schneller behandelt werden können, wenn sie frühzeitig identifiziert werden. Werden Sie also bitte schwatzhaft, zumindest wenn es um den regelmäßigen und selbstverständlichen Austausch über körperliche Auffälligkeiten zwischen Ihnen und Ihrem Hausarzt oder auch Ihrem Hämophiliezentrum geht.

Verstecken Sie sich nicht hinter Ihrer Hämophilie, nur weil Sie keine große Lust auf eine Darmspiegelung o. ä. haben. Denn Hand aufs Herz: wer hat die schon? Unterziehen Sie sich altersbedingten Tests. Manchen Vorsorgeuntersuchungen für „best ager“ oder „Mitglieder im Club der 50+“ geht der Ruf voraus für Hämophile wegen des Risikos von Verletzungen/Blutungen ungeeignet zu sein. Darm- oder Prostataprophylaxen zählen zu diesen „Vorsorgeuntersuchungen mit Fragezeichen“. Neuigkeiten: Diese Tests sind für jeden älter werdenden Mann wichtig, daher auch für Sie. Nach vorheriger Absprache mit Ihrem Arzt und einer Faktorgabe-Planung mit Ihrem Hämophiliezentrum können Sie diese Kontrollen gut durchführen lassen, denn auch bei diesen Untersuchungen geht es letztlich darum bösartige Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln.

Bleiben Sie neugierig! Auch in allen Belangen, die mit Ihrer Hämophilie zu tun haben. Dazu gehört es auch über neue Medikamente und Behandlungsmethoden up to date zu sein. Sprechen Sie mit Ihrem Arzt und Ihrem Hämophiliezentrum aber bitte auch über jede beabsichtigte Änderung an Ihrem Medikationsplan. Es gibt nicht wenige medizinische Präparate, zum Teil frei käuflich, die beinahe unbemerkt eine weitere Blutgerinnungsveränderungen mit sich bringen, Aspirin ist hier ein klassisches Beispiel.