Mies drauf oder schon depressiv?

Einfach mal nur mies drauf – oder ist das schon eine Depression?

Hämophilie und Depression

Wo liegt eigentlich die Grenze zwischen „einfach mal nur mies drauf“ und „ist das etwa schon eine Depression?“ Leider ist die ehrliche Antwort auf den ersten Blick nicht wirklich befriedigend, denn sie lautet: „Eine solche fixe Grenze gibt es nicht“. Aber, die gute Seite der Medaille, es gibt Anzeichen, die es ermöglichen auf einfache Weise herauszufinden, ob man einen Stimmungs-Blues durchlebt, oder in eine echte Depression gerutscht ist.

Grundsätzlich gesprochen sind gerade männliche Jugendliche in der Zeit zwischen etwa dem 10. Lebensjahr und dem 20. Lebensjahr besonders anfällig für „’ne miese Stimmung“ bzw. eine „Depression“. Das hat rein gar nichts mit Hämophilie zu tun. Die Stimmungsschwankungen werden ganz generell durch den hormonellen Umbau des Körpers (so z. B. die Ausbildung primärer und sekundärer Geschlechtsmerkmale), das sich ändernde Rollenbild des Jugendlichen weg vom Kind und hin zum körperlich erwachsenen Mann, verursacht. Und das bei wirklich jedem, egal ob mit oder ohne Handicap. Diese „Umbauphase von Körper und Seele“ ist eine schwierige Zeit voller Unsicherheiten und neuer Erfahrungen. All das Neue, dass sich einem da plötzlich nähert ist spannend, aufregend und verlockend einerseits – nervig, too much und in manchen Momenten ausgesprochen lästig auf der anderen Seite.

Wie gesagt, durch diese Stimmungsschwankungen geht jeder Jugendliche. Was aber sind dann Anzeichen dafür, ob aus „mies drauf“ vielleicht schon eine echte Depression geworden ist? Kleiner Blitztest, die nachfolgenden sieben Begriffe sollten nicht mehr als zweimal ein „Ja, habe ich gerade“ auslösen: Rückzug aus dem Freundeskreis und der Familie, Appetitlosigkeit, Antriebslosigkeit, Gefühl der Hoffnungslosigkeit, Angstgefühl, Alpträume, Verwirrtheit in eigentlich bekannten Situationen.

Dazu kann sich im Falle eines dokumentierten Hämophilie-Status´ noch die Angst um die eigene Zukunft aus medizinischer Sicht – aber auch der Gedanke an eine „von höherer Stelle auferlegten Prüfung“ gesellen. Mögliche Gedankengänge, die kein Mensch mit Hämophilie für sich behalten sollte. Wer seine Sorgen in Liebesdingen oder im schulischen Bereich schon einmal mit Vertrauten teilte, der weiß, wie gut es tut, wenn einem einfach mal jemand zuhört und man sich angenommen und verstanden fühlt.

Nicht anders steht es um die dunkleren Wolken, die am eigenen Gemütshorizont heraufziehen können, wenn zu dieser wichtigen körperlichen und seelischen Umbauphase noch Gedanken an die ererbte Blutgerinnungsstörung kommen, die einen ein Leben lang begleiten und beschäftigen wird.

Wer Anzeichen an sich festgestellt hat, die die Möglichkeit einer Depression wahrscheinlich erscheinen lassen, der sollte sich einen vertrauensvollen Profi suchen und dieser Person seine Nöte und Ängste erzählen. Welcher Arzt/Psychologe das ist, ist egal; der möglicherweise Depressive soll sich bei der Person und in den Gesprächen wohl und verstanden fühlen.