Für und wider Bodystyling

Bodystyling: Piercing und Tattoo

Für und wider “Bodystyling” bei Hämophilie

Bodystyling wie Piercings und Tattoos sind hipp, soviel ist klar. Mit etwas Abstand zum Thema drängt sich leise die Frage auf, ob der Delphin auf dem Schulterblatt eines 18-Jährigen immer noch wie ein flotter Delphin und nicht eher wie ein erschlaffter Wal aussieht, wenn dieselbe Schulter zusammen mit dem ganzen Typen den 50. Geburtstag gefeiert hat? Egal, denn darum geht es uns gar nicht. Wir diskutieren hier nicht die Ästhetik von Tattoo und Piercing, sondern wollen das Thema „Bodystyling“ hier einmal rein aus dem Hämophilie-Perspektive beleuchten und mit ein paar alltagstauglichen Tipps dafür sorgen, dass die Begegnung mit Hautfarbe oder Edelstahl tatsächlich der Schönheitssteigerung dient und nicht in einem medizinischen Fiasko endet.

Ein Gespräch mit dem Arzt im Hämophiliezentrum über die Absicht ein Tattoo oder ein Piercing machen zu lassen, sollte deshalb niemand scheuen. Der dort gegebene Rat wird die Ästhetik der Entscheidung niemals diskutieren, sondern sinnvolle Gesundheitstipps für den Verschönerungswilligen bereit halten. Wer hätte im Vorfeld gewusst, dass eventuell vor und nach der Behandlung eine zusätzliche Faktorgabe nötig sein kann?

Ob Tattoo oder Piercing, es sollten vorrangig Körperregionen gewählt werden, die schwächer durchblutet sind. Ganz und gar ungeeignet sind daher Regionen wie Mund, Zunge, Brustwarzen oder Genitalien. Diese von Natur aus stark durchbluteten Körperbereiche danken ein Tattoo oder ein Piercing mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit durch einen fetten Bluterguss oder, schlimmer noch, durch eine Blutung, die ins Körperinnere geht. Aber: Mit entsprechender Vorsorge ist „Bodystyling“ möglich.

Deshalb sollte der, der sich einem Piercer oder einem Tattoo-Studio anvertraut aus purem Eigenschutz, darauf achten, dass das Studio möglichst zertifiziert ist und dass der ausführende Künstler langjährige Erfahrung nachweisen kann. Eine Google-Suche nach Studio- und Artistenname kann Blogs öffnen, in denen Kunden ihre Erfahrungen niedergeschrieben haben und damit eine Idee vom zu Erwartenden vermitteln.

Beinahe alle Studios lassen sich ein Papier unterzeichnen, auf dem der Kunde alle Risiken auf sich nimmt. Das ist für das Studio eine feine Sache, für einen Hämophilien aber quasi der Schuss ins eigene Knie. Ein Studio, das nicht jede zu unterzeichnende Position genau erklären kann, sollte aus der Auswahl fliegen. Ein Atelier, dass beim Wort „Hämophilie“ Ratlosigkeit spüren lässt, ebenfalls. Die Hämophilie Erwähnung ist unverzichtbar, denn nur dann können beide Seiten einen Körperschmuck aus den gegebenen Möglichkeiten auswählen, der zum Träger passt. Und zwar in jeder Hinsicht.

Shortcut: Trägt man seine Haut zum Bodystyling, dann lässt man sein Hirn bitte nicht zu Hause.