Lifestyle & Clique

Die Clique und neue Freunde: Wem sagt man was wann?

Aber Hand aufs Herz: Der Clique und neuen Freunden, wem sagt man was wann? Es könnte alles so einfach sein: „bf4e“ steht als Message knapp im Handydisplay – best friends for ever; so simpel und genial war der Plan zwischen zwei Kumpels, die niemals etwas auseinander bringen sollte. Doch dann wird der eigene Vater beruflich befördert und zugleich an einen anderen Ort versetzt und die Familie zieht, klar, mit um – so auch der eine der beiden „best friends for ever“. Alles auf Anfang! Plötzlich sieht man sich einer neuen Schulklasse gegenüber, einem neuen Sportverein und neuen Kids in einer neuen Nachbarschaft.

Alles also wieder von vorne? Erste vorsichtige Kontakte, erste Anfänge von möglichen zukünftigen Freundschaften. Daneben Kontakte in der alten Heimat, die sich im Nichts verlieren. Und: Neue Bekanntschaften am neuen Ort, die intensiver werden und die einem selbst irgendwann einmal die Frage vor Augen flimmern lässt „Wann sagt man was eigentlich wem?“

Zum einen stresst es, den möglichst optimalen Zeitpunkt zu erwischen und zum anderen nervt es jetzt schon, den ganzen gängigen Frage/Antwort-Katalog mit neuen Bekannten einmal mehr durchzukauen.

Auch wenn man vor einem solchen Gesundheits-Outing in eigener Sache wohl immer Bauchgrummeln haben wird, es gibt nur diesen Weg zu einem entspannteren Umgang mit der Hämophilie: die Offenheit nach innen und außen. Je selbstverständlicher der Betroffene Fragen zum Thema gezielt beantworten kann, desto weniger haben die Fragenden das Gefühl hier in die klebrige Emo-Falle zu tapsen und vor lauter eingefordertem Mitgefühl nicht mehr vom Fleck zu kommen.

Wann also ist der richtige Zeitpunkt? Den Outing-Timer mit Alarmfunktion gibt es nicht – und wird es wohl auch nie geben. Gut so! Denn das eigene Bauchgefühl vermeldet sehr merklich, wann der rechte Zeitpunkt in der Gemeinsamkeit mit einer anderen Person(engruppe) gekommen ist, um ohne zuviel Gefühlsgesülze das Thema „Ich habe Hämophilie und das bedeutet dieser Umstand für mich und für Dich/Euch…“ anzusprechen und möglichst relaxed vom Tisch zu bekommen.

Aufgepasst, die Fragenden/Zuhörenden sind nicht doof, sondern an Informationen interessiert, die es für sie möglich machen, zu diesem Thema einen eigenen Standpunkt zu gewinnen. Verstellen hilft also wenig, besser ist es, der zu sein, der man ist und Fragen ehrlich und ohne Einladung zum Fremdschämen zu beantworten.

Freunde und Bekannte, die damit nicht können oder wollen, werden sich zurückziehen. Andere werden dafür näher kommen und so einen Kreis echter Freunde bilden, auf den man zählen kann. Denn genau dafür sind Freunde ja nun einmal da. Und wer sagt, dass „bf4e“ in Zukunft nicht auch mal von einem weiblichen Absender kommend auf deinem Handy flimmern könnte? ☺