Vom richtigen Augenblick

Wann ist der richtige Zeitpunkt mit ihr/ihm offen zu reden?

Hämophilie und Partnerschaft

Man kommt sich näher, körperlich, seelisch und auch die Zeitspannen, die man gerne gemeinsam verbringt, werden häufiger und länger. Dieses „enger miteinander werden“ führt von ganz alleine dazu, dass man irgendwann das Gefühl hat „jetzt sind eigentlich alle anderen wichtigen Dinge besprochen und sortiert. Es wird Zeit meinem Gegenüber von meiner körperlichen Einschränkung zu berichten und die Person damit einzuladen, ein wirklicher innerer Bestandteil meines Lebens zu werden.“

Zwischen Mathe-Prüfung und Sportunterricht könnte der falsche Moment sein. Denn die Unsicherheit des sich erklären wollenden bezüglich des „Wie und wann sage ich es?“ kann nach der Offenbarung zur Unsicherheit der oder des Zuhörenden („Was bedeutet sein Gesundheitsstatus für mich? Ist Hämophilie ansteckend oder erblich?) werden.

Eine ruhige und vertraute Atmosphäre mit genügend Zeit für ein wirklich umfassendes und aufklärendes Gespräch ist ein guter Anfang. Die Vorbereitung von Info-Material, Zeitungsberichten oder einer Telefon-Info-Nummer oder Webpage können zusätzliche Sicherheit geben und der zu informierenden Person den Zugang zu den neuen Tatsachen vereinfachen.

Es kann nicht falsch sein, in diesem Gespräch darauf aufmerksam zu machen, dass man als Hämophiler unter Beachtung einiger gezielter Regeln ein ganz normales Leben führen kann und wird. Ohne ein falsches Versprechen abgeben zu wollen, wird der Freund oder die Freundin, sobald das erste Überraschtsein überwunden ist, Informationsbedarf haben und sicher Fragen stellen wollen. Eine gewisse innere Vorbereitung ist also allemal besser als ein achselzuckendes „Hmmm, weiß ich jetzt gar nicht so genau….“.

Im Laufe dieses Gesprächs wird sich herausstellen, ob das Gegenüber einen schon vor dem Bericht mochte und schätzte. War dies so, so wird sich zu diesen bereits vorhandenen positiven Gefühlen die Mitverantwortung für die Gesundheit des Blutgerinnungsbeeinflussten gesellen. War man aber vorher schon der „Falsche“ (falsche Haarfarbe, falsches Gewicht, falsche Augenfarbe…) dann wird die gesundheitliche Offenbarung das nicht umkehren. Am Schluss ist es dann eigentlich auch egal, ob man wegen der falschen Körpergröße oder wegen einer ererbten Fehlfunktion des Körpers kein Paar werden wird – es hat eben einfach nicht gepasst.

Die Möglichkeit abgelehnt zu werden ist Teil des „Dating-Spiels“. Wer selbstsicher und symphatisch auftritt, hat darin ganz generell eindeutig die besseren Karten – ob z. B. Hämophilie im Spiel ist oder nicht, spielt dabei nicht die wichtigste Rolle. Auch vermeintlich Gesunde müssen Zurückweisungen verkraften lernen. Dabei ist eines ganz sicher: auch diesen Jungs zittern vor dem ersten „Gespräch über ernsthafte Beziehungsthemen“ ordentlich die Knie.