Sex-Drive oder rote Ampel?

Leben ohne Sex? Warum? Gewusst wie und auf Verzicht verzichten.

Leben ohne Sex

Wer den ersten Partner oder die erste Partnerin gefunden hat, der wird irgendwann eine körperliche Anziehungskraft spüren, die vom Partner/von der Partnerin ausgeht. Es kann bereichernd und erfüllend sein, dieser Anziehung zu folgen und erste sexuelle Erfahrungen mit dem Partner/der Partnerin zu machen. Dies gilt für jeden – egal ob mit oder ohne Blutgerinnungsstörung.

Dabei unterscheidet sich Sex eigentlich nicht von jeder anderen körperlichen Aktivität; denn generell gilt: Je anstrengender und abenteuerlicher die Betätigung ist, desto höher ist auch das Risiko einer Verletzung/Blutung.

Das Benutzen eines Kondoms ist heute schon aufgrund des erhöhten Schutzes vor einer Infektion mit sexuell übertragbaren Krankheiten, wie z. B. HIV, aber auch vor Hepatitis kein Diskussionsthema mehr. Den erigierten und dadurch stark durchbluteten Penis und dessen Haut schützt ein Kondom beinahe nebenbei noch vor Verletzungen oder Perforationen, die im Falle einer Hämophilie-Veranlagung zu Blutungen werden können. Diese Blutungen wiederum können Eintrittsstellen für Viren oder andere unwillkommene Gäste sein und sollten daher in jeder Hinsicht vermieden werden.

Hämophilie ist nicht ansteckend wie etwa das HI-Virus. Dennoch macht es Sinn vor dem Sex mit dem Partner/ der Partnerin darüber zu sprechen, wenn sie vorliegt. Erstens ermutigt es das Gegenüber auch von eigenen möglichen Limitierungen oder Unsicherheiten zu berichten und zum anderen eröffnet es einem verantwortungsvollen Sexpartner überhaupt erst die Möglichkeit sich bewusst und schützend zu verhalten. Der Spaß am Sex leidet darunter übrigens in keiner Weise. Eher stellt sich eine engere emotionale Verbindung ein, die dem Sex eine tiefere und intensivere Note geben kann.

Nein, nicht vergessen, keine Sorge: Reden wir über Masturbation oder Onanie oder Selbstbefriedigung – ein Thema, das mann nicht unters Bett kehren sollte, denn schließlich erlangen 98 % aller Jungs vor ihrem 18. Lebensjahr mindestens einmal einen sexuellen Höhepunkt („Orgasmus“), indem sie selbst Hand an sich legen; faktisch also beinahe jeder heranwachsende junge Mann. Die konzentrierte Beschäftigung mit dem eigenen Körper und seinen sexuellen Möglichkeiten kann hilfreich dabei sein, um sich selbst sowie die eigenen Wünsche besser kennen zu lernen.

Ammenmärchen wie etwa „Onanie macht das Gehirn weich“ oder „Jeder hat nur 1000 Schuss“ sind heute nur noch belächelnswert bzw. schlicht dämlich. Trotzdem sollten Jungs mit Hämophilie bei der Selbstbefriedigung etwas wachsamer sein, als die Kumpels mit normaler Blutgerinnung. Der erigierte Penis ist eine der am besten mit Blut versorgten Regionen des männlichen Körpers, weshalb es gerade dort auch zu Blutungen kommen kann. Nicht alle Blutungen sind nach außen gerichtet und damit sofort erkennbar. Blutungen in der Harnröhre etwa können erst beim nächsten Toilettenbesuch offensichtlich werden. Entdeckte Schwellungen am Penis, Verfärbungen im Urin oder Schmerzen sollte eine direkte Kontaktaufnahme mit einem Arzt nachfolgen. Peinlich ist da gar nichts, denn für den Arzt ist der Penis ein Körperteil wie jedes andere auch. Das gesamte Augenmerk des Arztes richtet sich auf die Heilung der festgestellten Fehlfunktion/Verletzung – genieren ist somit völlig überflüssig.