Beziehung & Partnerschaft

Gibt es eine Partner-Infopflicht?

Ganz trocken beantwortet kann man sagen: Nein, diese Verpflichtung gibt es nicht, denn Hämophilie ist nicht ansteckend. Die Zweifel und Gewissensnöte, die manchen Menschen mit Hämophilie dennoch plagen, rühren von einem Zwiespalt her, der mehr im moralischen Bereich angesiedelt ist.

Wer einen Menschen neu kennenlernt und sich stark zu dieser Person hingezogen fühlt, der möchte von dieser Person gerne mit Ehrlichkeit, Vertrauen und Respekt behandelt werden. Dies gilt in beide Richtungen einer sich entwickelnden Partnerschaft. Klar will man nicht gleich „alle Pferde scheu machen“ indem man zu früh von der eigenen gesundheitlichen Situation erzählt. Genauso klar ist aber auch, dass ein zu langes Hinwarten und eine irgendwann dann eilig nachgeschobene Offenbarung vom Partner oder der Partnerin als unaufrichtig und enttäuschend fehl interpretiert werden könnte.

Da der Gesetzgeber keine Informationspflicht vorgesehen hat, bleibt die Entscheidung an einem selber kleben. Sicher ist, dass das Gegenüber im immer engeren und häufigeren Miteinandersein ganz zwangsläufig bemerken wird, das da etwas anders läuft als sonst. Ein Verschweigen oder Verbergen macht schon alleine deshalb keinen Sinn. Auch, weil eine neue Beziehung erst richtig gut werden kann, wenn beide sich in allen Bereichen die Wahrheit sagen. Über wirklich alles, was die beiden bewegt: die Gefühle füreinander, die Zukunftswünsche, die persönlichen Nöte und ganz privaten Wünsche und Träume. Eine Beziehung ist dann gut, wenn es beiden darin miteinander besser geht als im Single-Alleingang!

Keine Frage: Die Information des neuen Partners oder der neuen Partnerin schiebt dem sich Erklärenden erst einmal einen gehörigen Kloß in den Hals. Aber an dieser offenen Aussprache führt kein Weg vorbei, wenn man selbst wirklich eine ehrliche und faire Beziehung anstrebt, in der jeder auch mit seinen Sorgen und Ängsten zu Hause und willkommen ist. Wer Angst davor hat, aufgrund des Outings abgeschoben zu werden, der darf darin Trost finden, dass diese Beziehung dann auch in anderen Lebensbereichen keinen Bestand und kein Fundament gehabt hätte. Denn wo generelles Verständnis und Interesse am Partner fehlt, da wird auch keine gute Beziehung wachsen. Dabei ist es grundsätzlich egal, welches „heikle Thema“ es zu besprechen und partnerschaftlich zu tragen gibt.