Der Schwerbehindertenausweis

„Schon klar, redet ihr nur!“ werden Sie jetzt vielleicht denken. Und, ehrlich, wir können Ihnen das nicht wirklich verdenken. Denn indem wir Ihnen hier die Vorzüge eines Schwerbehindertenausweises „schmackhaft“ zu machen versuchen, kehren wir vermeintlich unter den Tisch, mit welchen Einschränkungen Sie sich konfrontiert sehen, um überhaupt in den „Genuss“ der Vorteile dieses Ausweises zu gelangen.

Sie haben völlig Recht. Und wir ein bisschen. Denn, sind wir einmal ganz fatalistisch: Es ist, wie es ist. Wir wollen nichts schön beten, sondern dabei helfen, das Beste aus der gegebenen Situation zu machen. Ganz pragmatisch, ganz unvoreingenommen.

Schwerbehindert – Versuch der Annäherung an ein Reizwort

Aus der Ferne betrachtet scheint es, als könne Vater Staat auch mal ganz mütterlich sein und schützend seine Hände über Bürger halten, von denen er in einer allgemeinen Betrachtung annimmt, dass diese sich im täglichen Leben mit mehr Hindernissen konfrontiert sehen, als der Durchschnittsbürger.

Nähertretend ist es in seiner Absicht immer noch ein fürsorglich-freundlicher Zug des Staates. Ob man es persönlich bereichernd findet die Einstufung als „Schwerbehindert“ amtlich beglaubigt in seinen Dokumenten zu haben, steht auf einem anderen Blatt. Zur Unterscheidung: Mit „schwerbehindert“ ist keinesfalls „zweitklassig“ gemeint – auch wenn das manchem, der einen berechtigten Anspruch auf diesen Status und dessen Vergünstigungen und Erleichterungen hat, mitunter so vorkommen mag. Das ist eine Frage der persönlichen Einstellung, schwer zu steuern und im Grunde fehl am Platz. Denn nicht zuletzt bringt der Status Vorteile am Arbeitsplatz (besserer Kündigungsschutz, längerer Jahresurlaub etc.), im Mieter-Vermieter-Verhältnis, in den öffentlichen Verkehrsmitteln und Behörden und sogar beim Steuersatz mit sich – was spricht also objektiv betrachtet dagegen?

Für Hämophilie gelten folgende Richtlinien (nach dem Schwerbehindertenrecht SGB IX):

Leichte Form mit Restaktivität von antihämophilem Globulin (AHG) über 5 %: GdB 20.
Mittelschwere Form mit 1-5 % AHG mit seltenen Blutungen: GdB 30-40.
Schwere Form mit häufigen (mehrfach jährlich) ausgeprägten Blutungen: GdB 50-80.
Schwere Form mit weniger als 1 % AHG: GdB 80-100.

Die Folgen von Blutungen sind zusätzlich zu bewerten. Je nach Höhe des GdB können Sie einen Behindertenpauschbetrag steuerlich geltend machen:

Ein GdB von ergibt einen steuerlichen Freibetrag p.a. von
35-40 -> 430
45-50 -> 570
55-60 -> 720
75-80 -> 1.060
85-90 -> 1.230
95-100 -> 1.420

An dieser Tabelle lässt sich erkennen, dass auch bei leichteren Formen der Hämophilie die Beantragung eines Ausweises im Hinblick auf dem Behindertenpauschbetrag Sinn machen kann. Wird zusätzlich das Merkzeichen „H“ geführt, so liegt der Behindertenpauschbetrag bei € 3.700 und übersteigt damit auch den Behindertenpauschalbetrag einer GdB-100-Einstufung.

Mehr zu den gesetzlich festgelegten Voraussetzungen zur Erlangung des Merkzeichen-„H“-Status erfahren Sie hier.

Haben Sie es schon erfahren? Der Schwerbehindertenausweis wurde „renoviert“ und wird seit Anfang 2013 im wesentlich praktischeren Scheckkartenformat ausgestellt. Informationen zum neuen Schwerbehindertenausweis finden Sie hier.