Behandlung

Warum muss ich Faktor spritzen?

Weil Du nicht genug Gerinnungsfaktor in deinem Blut hast, muss ein extra hergestellter Faktor von außen in Deine Venen gespritzt werden. Wenn Dir nur ein bisschen Faktor fehlt, Du also eine leichte Hämophilie hast, bekommst Du den Faktor immer dann gespritzt, wenn Du Dich verletzt hast. Es ist deswegen auch ganz wichtig, dass Du immer gleich Bescheid sagst, wenn Du Dich gestoßen hast oder hingefallen bist. Wenn Du den Faktor ganz schnell bekommst, wird dein Knie zum Beispiel gar nicht erst dick. Auch der blaue Fleck wird nicht größer und tut nicht mehr weh. So kannst Du dann auch bald wieder zum Spielen zurück.

Je nachdem ob etwas zu wenig, wenig oder ganz wenig Faktor im Blut enthalten ist spricht man von einer leichten, einer mittleren oder schweren Hämophilie.

Wenn bei Dir sehr wenig Faktor im Blut ist, ist es besser, den Faktor regelmäßig zu spritzen, obwohl Du Dich nicht verletzt hast. Das kann zwei oder drei Mal in der Woche sein. Das bedeutet zwar nicht, dass Dir jetzt nichts mehr passieren kann oder dass Du überhaupt nicht mehr aufpassen musst, aber Du bist vor schlimmen Blutungen geschützt.

Was kann passieren, wenn ich keinen Faktor gespritzt bekomme?

Manchmal hast Du vielleicht überhaupt keine Lust, dein Spiel zu unterbrechen, nur weil Du Dich gestoßen hast. Oder Du hast Angst, dass die anderen sagen, Du sollst Dich nicht so anstellen. Das verstehe ich. Aber dann wird Deine Blutung nicht schnell behandelt, und das bedeutet wiederum, dass zum Beispiel dein Knie so dick wird, dass Du vielleicht mehrere Tage nicht mehr draußen spielen kannst. Dein Spiel musst Du dann sowieso unterbrechen – und zusätzlich musst Du dann für längere Zeit das Sofa hüten.

Wenn es öfter passiert, dass Du keinen Faktor gespritzt bekommst, obwohl Du Dich verletzt hast, kann es sogar sein, dass das Gelenk sehr stark beschädigt wird und Du es nicht mehr gut bewegen kannst.

Also – am besten immer gleich Bescheid sagen, wenn Du Dich verletzt hast!

Mutprobe – den Faktor selber spritzen

Bei vielen Kindern mit Hämophilie kann der Faktor von der Mutter oder dem Vater auch zu Hause gespritzt werden. Das hat den Vorteil, dass man keinen Arzt aufsuchen muss, wenn eine Behandlung mit dem Faktor notwendig ist. Den Faktor zu spritzen kann man lernen. Das erfordert aber auch einige Übung, weil die Nadel genau eine Vene unter der Haut treffen muss. Das piekst natürlich und macht deswegen auch ein bisschen Angst.

Gegen die Angst hilft, wenn Du Deiner Mutter oder Deinem Vater bei der Vorbereitung für das Spritzen hilfst, bis Du das Faktor-Spritzen vielleicht einmal selber kannst. Du kennst Deinen Körper am besten und wirst das Spritzen bei Dir bald besser können als ein Arzt. Dann kannst Du Dir im Notfall schnell selbst helfen und Du brauchst auch niemanden mehr, der Dich spritzt, wenn Du mal ohne Eltern mit Freunden verreisen willst.