Die ersten Lebensjahre

Vorbeugung, Verletzungen, Erklärungsmodell

Da Säuglinge den Tag meist im Liegen verbringen, nimmt die Verletzungsgefahr erst dann zu, wenn Ihr Sohn anfängt zu krabbeln, sich an Gegenständen hochzuziehen und die ersten selbstständigen Schritte wagt.

Um Verletzungen weit gehend vermeiden zu können, ist es, genau wie bei gesunden Kindern auch, erforderlich, dass Sie Ihre Wohnung „kindersicher“ machen:

Vorbeugende Maßnahmen

  • Scharfe Kanten an Möbeln abpolstern oder mit Schutzecken versehen.
  • Möbel oder Gegenstände, die leicht umfallen können, entfernen.
  • Fußböden mit rutschfesten Teppichen versehen.
  • Sicherheitsgitter an Treppenauf- und -abgängen anbringen.
  • Spielzeug wählen, das keine scharfen Kanten oder spitze Teile hat.
  • Gitterbettchen und Laufgitter mit Bett-Kopfschutz (Nestchen) versehen.

Weiterhin können Sie

 

  • eine zweite Windel als Schutz für die Pobacken anziehen,
  • Hosen aus festem Stoff zur Vorbeugung von Hämatomen (Blutergüssen) anziehen,
  • zu Hause rutschfeste Hausschuhe oder Socken mit Noppen anziehen (Schutz vor Stürzen durch Ausrutschen oder Verletzungen an den Fußsohlen durch herumliegendes Spielzeug),
  • den Babysitter über die Erkrankung und die im Notfall zu ergreifenden Maßnahmen informieren,
  • Kühlkissen im Kühlschrank bereithalten
  • Ellbogen und Knie Ihres Sohnes mit Gelenkschützern überziehen.

Um die Geschicklichkeit und gute Bewegungskoordination schon bei Kleinkindern gezielt zu fördern, eignen sich bestimmte Aktivitäten oder Spiele, wie z. B. Babyschwimmen, Laufradfahren, Balancieren oder Ähnliches.

Typische Verletzungen und Behandlungsvorschläge

Prellungen
Ab dem zweiten Lebensjahr, wenn Ihr Sohn anfängt zu laufen, sind Prellungen die typischen Verletzungen. Stürze, Stöße an Tischkanten oder anderen Hindernissen führen zu blauen Flecken, die meist nicht schmerzhaft und höchstens zwei Wochen sichtbar sind.

Den Arzt informieren, wenn:

  • sich die Verfärbung ausbreitet,
  • sich die Prellung am Kopf, Nacken, Hals, Unterbauch oder den Gelenken befindet.

Blutungen im Mund
Der Durchbruch der ersten Zähne kann genauso zu leichten Blutungen führen, wie wenn sich Ihr Sohn Gegenstände in den Mund steckt, um diese besser erfühlen zu können. Da sich das Blut mit dem Speichel vermischt, sehen diese Blutungen immer gefährlicher aus, als sie eigentlich sind. Trotzdem sollten Sie Rücksprache mit Ihrem Arzt halten.

Den Arzt informieren, wenn:

  • die Zunge blutet,
  • die Blutungen länger als zwei Stunden anhalten.

Lesen Sie auch die Broschüre „Hämophilie verstehen“ mit Erstinformationen zur Hämophile für junge Eltern, die Sie über unseren Bestellservice kostenlos beziehen können.

Hämophilie-Erklärungsmodell – „Aber wie sag ich’s meinem Kind?“

Kinder nehmen ihre Umwelt vollkommen anders wahr als Erwachsene. Es ist daher wichtig, Erklärungen zum Thema Hämophilie dem Verständnis des Kindes in seiner jeweiligen Entwicklungsphase anzupassen. So haben Kleinkinder z. B. noch keinen Zeitbegriff oder können keine logischen Zusammenhänge herstellen.

Wenn Sie mit Ihrem Sohn (ab ca. 4 bis 5 Jahre) über die Hämophilie sprechen möchten, erklären Sie ihm vor allem die Dinge, die er selbst sehen kann, wie z. B. blaue Flecken. Sagen Sie ihm beispielsweise „Schau, du hast da einen blauen Fleck. Das kommt deshalb, weil du Hämophilie hast“. Nehmen Sie möglichst Bezug auf Ereignisse, an die sich das Kind erinnert. „Hämophilie bedeutet, dass du immer dann eine besondere Medizin brauchst, wenn du schlimm hinfällst – so wie letztes Mal auf dem Spielplatz“.

Wichtig beim Umgang mit Hämophilie ist, dass Ihr Sohn möglichst früh in die vorbeugenden und therapeutischen Maßnahmen eingebunden wird. Es kommt darauf an, dass er ein einfaches, kindgerechtes Erklärungsmodell erfährt, welches ihm helfen soll, Hämophilie aus seiner Sicht zu verstehen. Da Kleinkinder zunächst nur das begreifen können, was sie auch tatsächlich sehen, ist es notwendig, die wichtigsten Botschaften in Bilder zu verpacken, die wie Gleichnisse wirken. Die Aufklärung kann durch einen Sympathieträger unterstützt werden, der in übervereinfachter Form auf die Besonderheit der Hämophilie eingeht. Wir nennen ihn „Fibrino“.

Mit Blick auf das heranreifende Selbstbewusstsein Ihres Kindes ist es auch unser Ziel, dass Sie Ihren Sohn so über sein Krankheitsbild informieren, dass er selbst in der Lage ist, seine Spielkameraden und andere Personen im Alltag aufzuklären. Das ist wichtig, weil im täglichen Umfeld Ihres Kindes kaum jemand weiß, was Hämophilie bedeutet, in welchen Situationen man wachsam sein muss und auch um unbegründeten Ängsten und Unsicherheiten anderer zu begegnen. Lesen Sie gemeinsam mit Ihrem Kind „Für was ist Blut gut?